Die Produzentin Christine Vachon erteilt eine Master Class

Im April/Mai widmete das Filmpodium der amerikanischen Produzentin Christine Vachon eine Retrospektive, in Zusammenarbeit mit Pink Apple, das dieser Filmemacherin (denn als das versteht sie sich, mit Recht) seinen Festival Award 2018 verlieh.

In der Master Class am 5. Mai im Filmpodium, die von der emeritierten ZHdK-Dozentin Marille Hahne moderiert wurde, brachte Vachon ihr Credo als Produzentin klar zum Ausdruck und schilderte die notwendige Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz anschaulich und in markigen Worten. Für ihre Schweizer KollegInnen hatte sie einige Kritik und wirklich nützliche Ratschläge in petto.

Vachon weiß, wovon sie spricht; ihre Filmografie umfasst über 120 Titel, darunter Meisterwerke des Independentfilms wie Boys Don’t Cry von Kimberley Pierce, Happiness von Todd Solondz, Still Alice von Richard Glatzer und Wash Westmoreland und das Gesamtwerk von Todd Haynes, von Poison über I’m Not There und Carol bis zu seinem aktuellen Film Wonderstruck. sowie Paul Schraders neues, heiß diskutiertes Werk First Reformed, der aktuell am Bildrausch Premiere feiert. Die Budgets, mit denen Vachon arbeitet, liegen – bis auf wenige Ausnahmen – im Bereich derjenigen des hiesigen Filmschaffens; ihre Erfahrungen sind also in mancher Hinsicht auf die Möglichkeiten des Schweizer Kinos übertragbar.

Hier eine (handgemachte) Videoaufzeichnung der gesamten Master Class samt anschließendem Q&A – ein Muss für alle, die in unserem Land mit Filmschaffen zu tun haben.

Editorial: La connexion française

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In unserem Mai/Juni-Programm kämpfen zwei gegensätzliche Filmschaffende um die Gunst des Publikums: Agnès Varda vs. William Friedkin. Der Kontrast könnte grösser kaum sein: In dieser Ecke die zierlich-feinsinnige Belgierin mit dem Topfhaarschnitt, die zu den Wegbereiterinnen des französischen Autorenfilms zählt; ihr gegenüber der sechs Fuss grosse, sonnenbebrillte Hollywood-Actionfilmer, der Film als kollaborative Kunstform auffasst und die Auteur-Theorie als «Bockmist» betitelt. Auf den ersten Blick also eine Paarung, die nicht nur unterschiedliche Segmente unseres Publikums anspricht, sondern geradezu unvereinbar scheint. “Editorial: La connexion française” weiterlesen

Tracy Letts auf der Bühne und auf der Leinwand

Der amerikanische Dramatiker und Schauspieler Tracy Letts, ein Mitglied der legendären Steppenwolf Theatre Company in Chicago, zählt zu den einflussreichsten Theaterschaffenden der letzten paar Jahrzehnte. Manche seiner Werke sind verfilmt worden, darunter sein Pulitzer-Preis- und Tony-gekröntes Familien- und Frauendrama August: Osage County (2007; 2013 verfilmt von John Wells).

August

Wer August: Osage County in der englischen Originalversion auf der Bühne sehen will, kann dies aktuell in Zürich tun: Die Theatertruppe des Englischen Seminars der Universität Zürich, Blueprint Masquerades, spielt das Stück am 20., 21., 26., 27. und 28. April auf der Bühne der Atelierschule, Plattenstrasse 37, 8032 Zürich. Details unter https://blueprintmasquerades.com/

Das Filmpodium zeigt im Mai/Juni zwei ganz anders geartete Werke von Tracy Letts, verfilmt von William Friedkin:

Bug

Bug (2006) ist ein beklemmendes Paranoia-Kammerspiel mit Ashley Judd und Michael Shannon;

Killer Joe

Killer Joe (2011) hingegen eine grausliche White-Trash-Moritat über dysfunktionale Familienbeziehungen mit einem schaudererregend guten Matthew McConaughey als Cop und Killer in einer Person.

Wers gerne zahmer hat, kann Tracy Letts derzeit als Vater der Titelfigur in Greta Gerwigs Lady Bird (2017) genießen:

Tracy Letts

Tracy Letts und Laurie Metcalf in Lady Bird

Christine Vachon kommt ans Pink Apple Festival 2018 nach Zürich!

Das Pink Apple Festival 2018 verleiht seinen Festival Award für Verdienste um das schwullesbische Filmschaffen der New Yorker Produzentin Christine Vachon. Seit rund 30 Jahren bringt sie ebenso eigenwillige wie herausragende Independent-Filme hervor, darunter viele, die LGBT-Geschichte geschrieben haben.

Das Filmpodium widmet Vachon eine Retrospektive, die von ihrem ersten Langfilm Poison über Publikumserfolge wie One Hour Photo und Carol bis zu Premieren neuer Werke reicht.

Das 21. Pink Apple Festival zeichnet Christine Vachon mit seinem Festival Award aus, den sie am Sonntag, dem 6. Mai persönlich entgegennehmen wird. Davor wird die Produzentin bei mehreren Vorstellungen im Filmpodium für Q&As zur Verfügung stehen, und am Samstag, dem 5. Mai gibt sie um 16.30 Uhr eine Master Class mit Marille Hahne (ZHdK).

 

Tanti Auguri Claudia Cardinale!

Sie dreht noch immer. Zur Legende wurde sie jedoch in den 1960er-Jahren in Filmen von Luchino Visconti, Mario Monicelli, Valerio Zurlini und natürlich von Federico Fellini, der ihr in Otto e mezzo die vielleicht perfekte Rolle gab. Pünktlich zum 80. Geburtstag von Claudia Cardinale am 15. April zeigen wir 15 Filme der in Tunis geborenen Sizilianerin, die mit ihrer betörenden Mischung aus Naivität und Sinnlichkeit zu einem der Superstars des italienischen Kinos wurde.

Wir wünschen alles Gute zum Geburtstag und freuen uns über die Grussbotschaft dieser Filmikone!

Editorial: Man muss die Gäste feiern…

Dia_Cardinale_1920x1080pxDem 1986 vom Stimmvolk erteilten Auftrag gemäss ist das Filmpodium ein Ort der Unterhaltung, der Begegnungen und der Entdeckungen, der «dem Publikum ermöglicht, seine Lieblingsfilme (…) auf der Leinwand statt auf dem Bildschirm wiederzusehen, Filmschaffende, Künstler und Produzenten zu treffen». Es ist uns denn auch ein grosses Anliegen, über das blosse Vorführen von Filmen hinaus Veranstaltungen zu organisieren, die persönliche Begegnungen mit Gästen erlauben. Der Zugang zu Filmen ist heute dank Internet ja leichter denn je. Aber leibhaftige Menschen zu treffen, die sich mit dem Kino beschäftigen, ist ein Mehrwert, den nur ein Ort wie das Filmpodium bieten kann. “Editorial: Man muss die Gäste feiern…” weiterlesen

Im Bademantel ins Kino? Das war der «Big Lebowski»-Abend im Filmpodium.

Am 24.2.18 präsentierte Maximum Cinema in Zusammenarbeit mit dem Filmpodium Zürich einen Abend, der ganz im Zeichen des «Dudes» stand: Zum grossen Auftakt der Reihe «Das erste Jahrhundert des Films 2018» besuchten über 220 Coen-Fans (viele davon in Shorts und Bademantel und mit Sonnenbrille) unser Kino und gönnten sich an der Bar einen White Russian nach Originalrezept.

Wir danken Dafina Abazi und Maximum Cinema für die tollen Bilder!

Reedition: Creature from the Black Lagoon – Jack Arnold

American actor, stuntman and filmmaker, Ricou Browning, as Gill-man in 'Creature From The Black Lagoon', directed by Jack Arnold, 1954. (Photo by Silver Screen Collection/Getty Images)
Ricou Browning in Creature From The Black Lagoon (Jack Arnold, 1954) (Photo © Silver Screen Collection/Getty Images)

Das Filmpodium zeigt Jack Arnolds legendäres Original (Creature from the Black Lagoon) in restaurierter Fassung und schwarzweissem 3D als Reedition zur Einstimmung auf Guillermo del Toros Hommage und Persiflage (The Shape of Water) sowie als historisches Gegenbild dazu.

Hintergrundinformationen zu Regisseur Jack Arnold und seinem «wundersamen Gruselkabinett» können Sie hier in der Sendung «Kontext» von Michael Sennhauser nachhören, die 2016 anlässlich des 100. Geburtstags von Jack Arnold aufgezeichnet wurde. Auch Sven Ahnert hat dem «Meister des Schreckens» eine kurze Hommage gewidmet, die Sie hier nachlesen können.  “Reedition: Creature from the Black Lagoon – Jack Arnold” weiterlesen

Editorial: Kurve gekriegt

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Für 2016 mussten wir einen markanten Rückgang der Eintritte vermelden (von durchschnittlich 39 auf 34 Gäste pro Vorstellung); dagegen präsentiert sich das Jahr 2017 erfreulicherweise als praktisch stabil: Insgesamt 31’887 Personen besuchten das Filmpodium, das sind nur 285 weniger als im Vorjahr und damit weiterhin 34 pro Vorstellung.

Natürlich würden wir uns über (wieder) höhere Eintrittszahlen freuen; dennoch ist «stabil» inzwischen keine Selbstverständlichkeit. Von ein paar Publikumsrennern abgesehen, laufen nämlich in den gewerblichen Arthouse-Kinos viele Filme oft mit deutlich weniger als 20 Gästen pro Vorstellung. Das hat diverse Gründe: Der individuelle Filmkonsum hat weiter zugenommen, ebenso das Angebot; manche Filme werden nur noch online gezeigt und auch Serien ziehen Filmfans in ihren Bann. Trotzdem kommen immer mehr Filme neu ins Kino (2016: 499; 2017: 531). In Zürich ist die Zahl der Leinwände nochmals angestiegen und immer neue Filmfestivals buhlen um Aufmerksamkeit. Das alles verstärkt die Aufsplitterung des Publikums und macht es für uns noch anspruchsvoller, Interessierte für unser Programm zu gewinnen. “Editorial: Kurve gekriegt” weiterlesen

Ein Interview mit Eliseo Subiela

Michel Bodmer hat im Archiv der SRG gewühlt und ein Interview aufgestöbert, das er 1998 mit dem argentinischen Regisseur geführt hat – und zwar (wer hätte es erkannt?) bei uns im Kino.

Die Clips sind noch bis Mitte Februar, also bis zum Ende unserer Reihe zu Eliseo Subiela, auf unserem YouTube-Channel verfügbar.

“Ein Interview mit Eliseo Subiela” weiterlesen