EDITORIAL: Fussball und Sommer zum Trotz

Dia_Simone Signoret

Es ist ja nicht so, dass Eintrittszahlen unser höchstes Gut oder unser einziges Erfolgskriterium wären. Helles Kindergelächter an einer Stummfilm-Vorführung für Familien, angeregte Diskussionen mit Filmschaffenden am 4th Arab Film Festival oder begeisterte Rückmeldungen von einzelnen Kinogästen zu wiedergesehenen und neu entdeckten Filmjuwelen sind für uns als Kuratorinnen und Kuratoren eine mindestens so willkommene Bestätigung. Dennoch sind Eintrittszahlen für das Kino im Allgemeinen und für das unsere im Besonderen auch ein Gradmesser für die im Digitalzeitalter nicht mehr garantierte Attraktivität dieses Mediums und unseres Programms. Als öffentliche, von Steuergeldern getragene Institution muss das Filmpodium die Verwendung dieser Gelder rechtfertigen, indem es für sein Service-public-Angebot ein Publikum findet. Es freut uns darum sehr, dass wir unsere Eintrittszahlen im dritten Jahr nacheinander halten konnten, umso mehr als die «gewerbliche» Kinobranche in der Schweiz schmerzhafte Einbussen verzeichnet.

2018 zeigte das Filmpodium in insgesamt 949 Vorstellungen 340 Filme und Kurzfilmprogramme. Besonders erfolgreich liefen die Retrospektiven zu den Schauspielerinnen Jeanne Moreau, Claudia Cardinale und Maggie Smith und «sichere Werte» wie die Hitchcock-Klassiker The Lady Vanishes und Rebecca. Auf grosses Echo stiess auch das Stummfilmfestival mit durchschnittlich 80 Zuschauerinnen und Zuhörern, ebenso die Anlässe, mit denen wir ein Publikum ausserhalb des Kreises unserer Stammgäste erreichen wollten, etwa der Big Lebowski-Abend im Februar zur Lancierung unseres Jahrhundertfilm-Abos für Leute in Ausbildung oder auch das Filmbuff-Quiz. Den Kreis der «usual suspects» zu erweitern gelang uns auch mit dem 4th Arab Film Festival. Umgekehrt machte unserem Publikum erwartungsgemäss bei mehreren Reihen die Tatsache zu schaffen, dass wir praktisch nicht mehr auf die alten, deutsch/französisch untertitelten Verleihkopien der Cinémathèque suisse zurückgreifen können und oft nicht untertitelte Originalversionen präsentieren mussten, was natürlich einen Teil des interessierten Publikums ausschliesst.

Umso mehr freuen wir uns, mit der Shi-Hui-Retro im aktuellen Programm nicht nur kaum bekannte Raritäten zu zeigen, sondern diese mit deutschen Untertiteln präsentieren zu können. Nutzen Sie die Gelegenheit und tauchen Sie ein in die Filmwelt des Shanghai der 1940er- und 1950er-Jahre.

PS: Wegen einer Umbau-Pause dauert dieses Programm nur bis zum 24. März.

Corinne Siegrist-Oboussier & Michel Bodmer

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