Michael Moore zu «Bowling for Columbine»

English text below

Nachdem er in Cannes zu Beginn des Gruppengesprächs über Bowling for Columbine 2002 die Nationalitäten der Teilnehmenden abgefragt hatte, drehte Michael Moore gleich den Spieß um und wollte wissen, wieso in der Schweiz, wo fast jeder Mann ein Sturmgewehr zu Hause hat, so wenige Morde geschehen. Man kann sich über Moores Methoden streiten (seine Bloßstellung des greisen Charlton Heston im Film etwa verärgerte viele Leute), aber in Sachen Verquickung von politischer Propaganda mit Unterhaltung gibt es wenige Filmschaffende, die ihm das Wasser reichen können. Und bei Bowling for Columbine stimmte die Balance zwischen Witz und Wahrheitstreue noch besser als in späteren Filmen. Das deutsche Transkript des Gesprächs finden Sie hier.

Michael Moore on Bowling for Columbine

Having begun the round table on Bowling for Columbine (2002) in Cannes by asking the journalists about their nationalities, Michael Moore immediately turned the tables and wanted to know why so few murders occur in Switzerland, where almost every man has an assault rifle at home. One may argue about Moore’s methods (his ambush interview with the aged Charlton Heston in this film, for example, raised a lot of hackles), but when it comes to combining political propaganda with entertainment, there are few filmmakers who can hold a candle to him. And in Bowling for Columbine, the balance between wit and veracity was more even-handed than it was in later films.

Ab 31.05. im Kino: VISAGES VILLAGES von Agnès Varda

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Bis zum 31. Juni 2018 gibt es im Filmpodium 13 lange und 4 kurze Filme der Cineastin Agnès Varda zu sehen, die am 30. Mai 90 Jahre alt wird. Pünktlich zur Feier ihres Geburtstags startet ihr neuester Streich, Visages Villages, am 31. Mai in den Zürcher Kinos.

Die 89-jährige Nouvelle-Vague-Legende und Regie-Ikone Agnès Varda hat sich für ihr neues Projekt Visages Villages mit dem 33-jährigen Fotografen und Street-Art-Künstler JR zusammengetan. Unterwegs mit ihrem Fotomobil entdecken die beiden Frankreich von der Provence bis zur Normandie. Und sie hinterlassen auch Spuren: Agnès Varda und JR treffen auf verschiedenste Menschen – einen Briefträger, einen Fabrikarbeiter oder die letzte Bewohnerin eines Strassenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet –, und ihnen widmen sie ihre Kunst. Sie fangen Blicke und Gesichter auf überlebensgrossen Fotografien ein und integrieren sie auf bemerkenswerte Weise in die Umgebung. Entstanden ist ein poetischer Dokumentarfilm voller Herzlichkeit und Humor. «Visages  villages» verschmilzt die Leidenschaft zweier aussergewöhnlicher Talente mit den abenteuerlichen Elementen eines Roadmovies. Er wurde 2018 für den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert. (Filmcoopi Zürich)

Wer nach Visages Villages das Werk von Varda bei uns (wieder)entdecken möchte: Das British Film Institute hat eine kleine «Anleitung» publiziert, in welcher Reihenfolge man vorgehen soll: «Where to begin with Agnès Varda».

ZU GAST IM FILMPODIUM: ROBERT KOLINSKY UND JIŘÍ MENZEL

 

Robert Kolinsky, Pianist und Intendant der Martinu Festtage in Basel, hat mit To Make a Comedy Is No Fun – Jiří Menzel, einem Porträt von Jiří Menzel, seinen Einstand als Cineast vorgelegt. Am 7. Oktober um 18.15 Uhr stellte er seinen Dokumentarfilm persönlich vor, in Anwesenheit von Jiří Menzel. Das Gespräch mit ihnen wurde moderiert von Tereza Fischer, Filmwissenschaftlerin und -kritikerin und seit 2014 Redakteurin der Filmzeitschrift Filmbulletin.