70 Jahre «Studio 4»

Als am 24. März 1949 das «Studio 4» eröffnet wurde, zeigte Roman Clemens, der das Interieur des Kinos gestaltet hatte und in den ersten Jahren auch für das Programm zeichnete, nicht irgendeinen Film. Er sicherte sich bei Paramount die Weltpremiere der neuen Komödie mit Superstar Bing Crosby, A Connecticut Yankee in King Arthurʼs Court, die sich zum Kassenschlager entwickelte. Zum 70-jährigen Jubiläum haben wir den Spass noch einmal gezeigt, und zwar in echtem Technicolor!

Neben den Begrüssungen durch Filmpodium-Leiterin Corinne Siegrist-Oboussier und dem stellvertretenden Leiter Michel Bodmer gab es auch eine kurze Einführung in die Geschichte des «Studio 4» (seit 1983 «Filmpodium») durch den Historiker und Filmexperten Felix Aeppli. Das «Studio 4» wurde 1948/49 vom Bauhaus-Schüler Roman Clemens gestaltet und zählt zu den wichtigsten Schweizer Baudenkmälern der klassischen Nachkriegsmoderne. Das Kino steht seit 1993 unter Denkmalschutz.

Viele ehemalige Mitarbeiter*innen des Kinos aus den letzten 35 Jahren haben sich an diesem Abend eingefunden, um diesen historischen Moment zu feiern.

Das erste Jahrhundert des Films: 1949

1949 ist das Jahr, in dem die unmittelbare Nachkriegszeit endet, der Kalte Krieg die Welt in zwei Lager spaltet – und in dem ein Film mit einer Zither-Melodie, mit Orson Welles’ «Kuckucksuhr-Rede» und mit einer Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation für Furore sorgt: Dem Briten Carol Reed gelingt mit The Third Man eine höchst authentische Momentaufnahme der geteilten und besetzten Stadt Wien und damit einer der besten britischen Filme des ganzen Jahrhunderts. Eine der brillantesten britischen Komödien inszeniert dagegen in diesem Jahr Robert Hamer mit Kind Hearts and Coronets, wo mit tiefschwarzem Humor durch familiäre Reihen gemordet wird; alle acht Opfer werden von Alec Guinness verkörpert, der damit seinen Weltruhm begründet.

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Das erste Jahrhundert des Films: 1939

Während die Welt am Vorabend eines weiteren Krieges in Europa stand, wurde in Hollywood gezaubert. Mit The Wizard of Oz erstrahlte ein Märchen auf der Leinwand, das bis heute zum festen, unzählige Male zitierten Bestandteil des popkulturellen Inventars gehört, dessen Requisiten Fetischcharakter haben und bis heute für Schlagzeilen sorgen: Erst kürzlich wurden Judy Garlands rote Glitzerschuhe, die vor Jahren gestohlen worden waren, von FBI-Agenten sichergestellt. MGM produzierte 1939 einen weiteren Film, der zu einem Mythos werden sollte, wiederum unter der Regie von Victor Fleming (u. a.) und wiederum in «glorious Technicolor»: Das opulente Südstaatenepos Gone with the Wind faszinierte über Generationen hinweg die Zuschauer und bleibt einer der grössten Kassenerfolge der Filmgeschichte. John Fords Stagecoach, der dritte legendäre US-amerikanische Film aus diesem schicksalhaften Jahr, lancierte die Renaissance des Western und machte John Wayne zum Star.

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