Das Sommerabo ist wieder da!

Vom 11.6. bis zum 20.9. können Sie mit dem Sommer-Abo alle Filme unserer Reihe mit dem unverwüstlichen Robert Redford – sei es als blendend aussehender Darsteller oder als politisch engagierter Regisseur -, alle französischen Comédies von Alice Guy-Blaché (mit live Musik) bis zu Anne Le Ny und Julie Deply sowie die Jahrhundertfilme aus vier Jahrzehnten à discrétion geniessen. Kurz: einfach alles, was diesen Sommer über unsere Leinwand flimmert.

Das Sommer-Abo ist schon jetzt an der Kinokasse erhältlich – und ab sofort gültig, also auch für die Kirk Douglas-Filme.

Editorial: Jeder streamt für sich allein

The Natural (Berry Levinson, USA 1984)

Die Corona-Pandemie, die Mitte März auch zur Schliessung des Filmpodiums führte, hat unter anderem einen Wertewandel mit sich gebracht, dessen Nachhaltigkeit noch nicht abzusehen ist. Während das Klima die Verschnaufpause genoss, hat sich vieles nicht eben zum Besseren gewendet: Der ÖV, bisher als ökologisches Massentransportmittel gefeiert, gilt neu als fahrendes Virenreservoir; der verpönte motorisierte Individualverkehr feiert ein Comeback als sozial distanzierter Reigen mobiler Blechdosen. Wiederverwendung ist out; wir schwelgen in Wegwerfware. Trotz Globalisierung wurden Grenzen geschlossen, aber die Digitalisierung triumphierte: Gemeinschaft stiftende Kulturveranstaltungen entfielen, während die Isolation zu Hause den Streaming-Plattformen Rekordumsätze bescherte.

Nun also kehren wir schrittweise zu analogen Erlebnissen zurück, auch gemeinsamen, mit gebührender Vorsicht und gebotenen Schutzmassnahmen. Ob die Kinobranche, die schon vor dem Auftreten von Covid-19 krankte, sich während des Lockdown teilweise auf der Internetkonkurrenz abstützen und vom Staat finanziell beatmet werden musste, in der neuen Normalität wieder auf die Beine kommt, wird sich weisen. Das Filmpodium jedenfalls zeigt nach wie vor ein Programm, das bei Netflix & Co nicht zu finden ist.

Auch in unserem Kino gelten die mittlerweile gewohnten Abstandsregeln und Hygienevorkehrungen, um Sie und unsere Mitarbeitenden zu schützen. Die Sitzplätze sind ab sofort nummeriert. Nur unsere Lounge bleibt vorerst zu, und Verweilen im Foyer und an der Bar ist derzeit nicht angesagt. Trotz dieser Einschränkungen hoffen wir, dass Sie den Weg zurück an die Nüschelerstrasse wagen. Das detaillierte Schutzkonzept finden Sie auf unserer Website.

Als Auftakt im Juni haben wir vier Filme von Kirk Douglas programmiert, die im Frühling ausgefallen sind. Dieses reduzierte Angebot soll Ihnen und uns die Chance geben, sich mit den veränderten Gegebenheiten vertraut zu machen und neue Abläufe zu testen und zu optimieren. Ab Juli dann bieten wir wieder ein Vollprogramm. Krisengerecht haben wir uns für ein eher sommerlich-unbeschwertes Angebot entschieden: Neben französischen «comédies» von Filmemacherinnen gibt es klassisches Star-Kino mit und von Robert Redford. Die Meilensteine von 1940 und 1950 aus der Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» sind nicht der Viruspause zum Opfer gefallen; wir zeigen sie jetzt, gefolgt von den besten Filmen von 1960 und 1970. Unser Sommerabo ist ebenfalls wieder da – und Sie hoffentlich auch.

Michel Bodmer

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Willkommen zurück!

Der Bundesrat hat am 27. Mai entschieden, dass Kinos ab dem 6. Juni wieder den Betrieb aufnehmen können, unter Einhaltung der gebotenen Schutzmassnahmen.

Auch im Filmpodium, das am 11. Juni seine Tore wieder öffnet, gelten nun die mittlerweile gewohnten Abstandsregeln und Hygienevorkehrungen, um Sie und unsere Mitarbeitenden zu schützen. Die Sitzplätze sind ab sofort nummeriert; nur Personen, die im gleichen Haushalt wohnen, dürfen auch im Kino beisammensitzen. Unsere Lounge bleibt vorerst geschlossen, und längeres Verweilen im Foyer und an der Bar ist bis auf Weiteres nicht angesagt.

Trotz dieser Einschränkungen hoffen wir, dass Sie den Weg zurück an die Nüschelerstrasse wagen. Bitte beachten Sie die besonderen Anfangszeiten! Diese erlauben uns, längere Pausen zwischen den Vorstellungen zu machen; die neuen Abläufe beim Ticketverkauf und Einlass usw. brauchen mehr Zeit. Das detaillierte Schutzkonzept finden Sie auf unserer Website.
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In Memoriam: Francis Reusser

Francis Reusser und Fredi Murer am 24.2.2019 im Filmpodium

Es war abzusehen: Schon letztes Jahr, als er durch die Schweiz reiste, um seinen autobiografischen Dokumentarfilm La séparation des traces anlässlich des Kinostarts vorzustellen, wurde klar, dass Francis Reusser todkrank war. Er raffte sich zwar noch zu Gesprächen auf, bei denen er mit erstaunlicher Energie als “raconteur” seines eigenen Lebens aus dem Vollen schöpfte, auch bei seinem Auftritt im Filmpodium am 24. Februar 2019, aber seine Kräfte ließen nach und mussten vorsichtig eingeteilt werden. So war er zwar noch in der Lage, letzten Sommer telefonisch zu seinem Film Le grand soir ausführlich und mit viel Selbstironie Auskunft zu geben, als ich diesen Locarno-Gewinner deutsch untertitelte; als es aber darum ging, ob er im Januar 2020 nochmals nach Zürich kommen könnte, um unsere kleine Hommage zu präsentieren, winkte er traurig ab. Nun ist er am 10. April im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Schweiz einen ihrer profiliertesten Filmemacher, dem gerade in der Deutschschweiz leider nicht die gebührende Beachtung geschenkt wurde.

Michel Bodmer

Online-Angebot für die Corona-Pause // Filmpodium’s online offer for the Corona-enforced hiatus

English text below

In der Corona-Kinopause, die sich wohl bis in den Mai erstrecken wird, kann das Filmpodium seine angestammte Aufgabe, klassisches Filmschaffen zu präsentieren, nicht erfüllen. Das Opernhaus und andere Live-Institutionen können online immerhin eigenen Content anbieten. Andere Kinos, die das heutige Filmschaffen zeigen bzw. gezeigt hätten und jetzt die Filme als Kino-on-Demand-Angebot streamen, haben mit den Verleihern entsprechende Vereinbarungen getroffen. Sie sind auch finanziell beteiligt, wenn sie mit Plattformen wie Cinefile, Artfilm, Filmingo u. ä. bei der Präsentation des aktuellen Kinoangebots zusammenarbeiten.

Das Filmpodium kann da nicht mitziehen: Für die Filme, die wir zeigen bzw. gezeigt hätten, haben wir nur die Rechte für einzelne Kino-Vorführungen erworben; andere Rezeptionsformen können wir nicht anbieten. Außerdem können die Rechteinhaber uns in nur ca. 50% der Fälle auch Vorführmaterial zur Verfügung stellen; die andern 50% kommen von Archiven, Sammlern usw. Weder Filmkopien noch DCPs sind für Streaming geeignet. Und schließlich erfordert Streaming eine ganz eigene Server-Infrastruktur, die wir nicht haben.

Ein Online-Klassiker-Ersatzprogramm («Greatest Hits» oder ähnlich) ist leider auch keine Option: Die Klassiker-Rechte für VoD liegen meist bei anderen Ansprechpartnern als die Kinorechte und müssten zusätzlich erworben werden – sofern überhaupt Klassiker im Streaming-Angebot sind. Angesichts der geringen Nachfrage gibt es da kaum einen Markt.

Filmschaffende statt Filme

Statt Filmen wollen wir Ihnen deshalb online andere Aspekte der Filmkultur vermitteln. In meiner rund 35-jährigen Tätigkeit als Filmkritiker habe ich Dutzende von Interviews mit Filmschaffenden aus aller Welt und verschiedener Generationen geführt, teils in Form von sogenannten round tables bzw. Gruppeninterviews mit anderen Journalistinnen und Journalisten, teils in Form von one-on-ones bzw. Einzelinterviews. Manche dieser Gespräche drehen sich hauptsächlich um einen bestimmten Film, sind aber oft von breiterem und nachhaltigem Interesse. (Und ja, manche dieser Interviews würde ich heute wohl etwas anders führen, aber man lernt eben nie aus.) Von der Tonqualität sind diese teils über 30 Jahre alten Aufnahmen unterschiedlich; die Fragen versteht man in der Regel weniger gut als die Aussagen der Interviewten, die denn auch wichtiger sind. In einzelnen Fällen können die Gespräche mit Transkripten ergänzt werden.

Wir hoffen, dass Sie trotz dieser Einschränkungen an den Gesprächen, die wir Ihnen nach und nach als Podcasts zum Privatgenuss anbieten, Gefallen finden. Die Rechte an der Reproduktion (auch in Auszügen) und der Weiterverbreitung (geschweige denn «viral» …) sind vorbehalten.

Michel Bodmer

Hal Hartley

Im letzten November/Dezember-Programm widmeten wir dem amerikanischen Filmemacher Hal Hartley eine Retrospektive. Kurz darauf lancierte er eine Crowdfunding-Initiative, um sein nächstes Filmprojekt, Where to Land, auf die Beine zu stellen. Die Anschubfinanzierung kam – dank eines Schlussspurts von Spenden – im Januar zustande, das Casting war vielversprechend (darunter Mitglieder seines Stamm-Ensembles wie Elina Löwensohn, Bill Sage und Edie Falco), doch dann wurde die Produktion wegen des Virus auf Eis gelegt.

Im Sinne einer Rückschau und Ergänzung dessen, was bei uns zu sehen war, bieten wir ein Gruppengespräch zu seinem «monster movie» No Such Thing (2001) an sowie ein Einzelgespräch zu The Girl from Monday (2005).

Filmpodium’s online offer for the Corona-enforced hiatus

During the coronavirus lockdown, which will probably last well into May, Filmpodium will not be able to fulfil its core mission of presenting classic cinema. The Zurich Opera House and other venues that produce shows can at least offer some of their own content online. Commercial cinemas that screen or would have screened the latest films are now streaming some of these titles as cinema-on-demand offerings, based on special agreements with the distributors. They share in the profit if they co-operate with VoD platforms such as Cinefile, Artfilm, Filmingo et al. in presenting current cinema online.

Filmpodium cannot follow suit: We only acquire rights for individual theatrical screenings of the films we present or would have presented in our programme; we cannot offer other modes of reception. Furthermore, in only about 50 per cent of cases do the rights holders provide us with screening material; the other 50 per cent come from archives, collectors, etc. Neither film prints nor DCPs are suitable for streaming. And finally, streaming requires a dedicated server infrastructure, which we do not have.

Unfortunately, a substitute online program of movie classics (“Greatest Hits” or the like) is not an option either: VoD rights to classic films are usually held by different companies than the theatrical rights and would have to be purchased additionally – if these classics are available for streaming at all: Due to the low demand for such titles online there is hardly a market for this sort of programming.

Not films, but filmmakers

Instead of films, which you can stream on many different platforms, we want to provide you with other aspects of cinema. In my 35 years of working as a film critic, I have conducted dozens of interviews with filmmakers, actors etc. from all around the world and from different generations, partly in the form of so-called round tables with other journalists, partly in the form of one-on-one interviews. Some of these interviews focused on a specific film, but they are often of broader and lasting interest. (And yes, I would probably conduct some of these interviews a little differently today, but you never stop learning.) The sound quality of these recordings, some of which are more than 30 years old, is uneven; the questions are usually less intelligible than the statements of the interviewees, which are more important. In some cases, the audio interviews will be supplemented with transcripts.

Despite said limitations, we hope that you will enjoy these conversations, which we will gradually roll out as podcasts for your private enjoyment. The rights of any form reproduction (even in part) or further dissemination (let alone “viral”…) of these recordings are reserved.

Hal Hartley

In our last November/December programme, we dedicated a retrospective to the US filmmaker Hal Hartley. Shortly afterwards, he launched a crowdfunding campaign to fund his next film project, Where to Land. The seed money was raised by January – thanks to an eleventh-hour spurt of donations; the casting was promising (including members of his regular ensemble such as Elina Löwensohn, Bill Sage and Edie Falco), but then production was put on hold because of the virus.

In the spirit of looking back and complementing what we saw, we offer a round-table discussion of his “monster movie” No Such Thing (2001) as well as a one-on-one talk about The Girl from Monday (2005).

Editorial: Cinéma du marché

«Es gibt keine Garbo, es gibt keine Dietrich, es gibt nur Louise Brooks!» Also sprach Henri Langlois, Direktor der Pariser Cinémathèque, und lancierte in den 50er-Jahren das Revival dieser fast vergessenen Ikone. Es gibt viele gute Gründe, Brooks eine Reihe zu widmen.

Aber Louise Brooks und gleichzeitig King Vidor? Zweimal Hollywood mit Stummfilmen? Das ist weder komplementär noch publikumsfreundlich!

Nun, auf den ersten Blick ist das tatsächlich so. Und es war ja auch anders geplant: Im April/Mai-Programm sollten ursprünglich der längst vorgesehenen Brooks-Retrospektive Filme aus Albanien gegenübergestellt werden. Da jedoch die Filmarchive viele Unikate und Raritäten aus ihren Beständen nicht mehr oder nur noch selten herausrücken, sind wir beim Kuratieren zunehmend gezwungen, auf die augenblickliche Verfügbarkeit von Material auf dem «Markt» zu reagieren. Es stellte sich heraus, dass die albanischen Filmklassiker aus der Hoxha-Zeit im Februar in Wien und Frankfurt laufen und im März in Zürich gezeigt werden müssen, da diese Kopien nicht beliebig lange im Umlauf sein dürfen. Und dann bot die Berlinale dem Filmpodium an, ihre diesjährige Retrospektive zu King Vidor zu übernehmen, was ebenfalls nur zeitlich befristet möglich war. Das Brooks-Programm zu verschieben, war jedoch keine Option; bei der ZHdK war bereits ein Plakat in Arbeit und dessen Aushang gebucht. So sind wir mitunter durch die Fristen anderer Institutionen fremdbestimmt. “Editorial: Cinéma du marché” weiterlesen

Albanien im Film: Zum geschichtlichen Hintergrund der Filmreihe

Die Geschichte Albaniens ist äusserst komplex und kein kurzer Abriss kann ihr gerecht werden. Für das bessere Verständnis der Filme unserer Reihe ist es jedoch dienlich, wenigstens eine ganz grobe Orientierung zu haben, auf welche historischen Phasen und Ereignisse sich Handlungen und Motive beziehen.

Albaniens Frühgeschichte ist höchst wechselhaft; die Region gerät oft unter die Herrschaft fremder Mächte (Rom, Bulgarien, Normannen, Byzanz). Nach dem Zerfall des Byzantini­schen Reichs im 13. Jh. etablieren sich einige einheimische Fürstentümer. 1443-68 wehrt Gjergj Kas­trioti, Fürst von Kruja, genannt «Skanderbeg», die vordringenden Türken ab und ist deshalb noch heute ein Nationalheld. Nach seinem Tod aber wird das Land Teil des Osmanischen Reichs und die Mehrheit der Albaner tritt in den folgenden vier Jahrhunderten zum Islam über.

1912–1944: Unabhängigkeit und italienische Fremdherrschaft

Nach dem Ersten Balkankrieg wird 1912 ein unabhängiger albanischer Staat ausgerufen; die Grenzen ziehen 1913 jedoch die Siegermächte: Kosovo und Teile von Nordmakedonien, wo viele Albaner leben, werden zu Jugoslawien geschlagen. Erst 1922, nach den Wirren des Ersten Weltkriegs, ist Albanien wirklich autonom. Durch den Tirana-Pakt (1926/27) wird es aber immer mehr vom faschistischen Italien abhängig, obschon sich Ahmet Zogu 1928 zum König ausrufen lässt. 1939 wird Albanien von Italien annektiert und bis 1944 ist es von den Achsenmächten besetzt, gegen die sich Partisanen zur Wehr setzen.

Filme über diese Zeit: The Bride and the Curfew, The River That Never Runs Dry, Les coquelicots sur les murs, Tomka and His Friends, Things That Do Not Change

Tomka and His Friends (Xhanfise Keko, Albanien 1977)
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Editorial: Blaues Auge, schwarze Null

Arta Dobroshi in Le silence de Lorna von Jean-Pierre Dardenne und Luc Dardenne

Das Jahr 2019 brachte für die Schweizer Kinos wenn nicht eine Wende, so doch eine erfreuliche und überraschende Verschnaufpause: Nach mehrjähriger Erosion des Publikums stiegen die Eintrittszahlen erstmals wieder etwas an. Die Auguren der Branche machen dafür das gegenüber dem Vorjahr schlechtere Wetter verantwortlich und ein Filmangebot, das neben Mainstream-Hits auch starke und populäre Arthouse-Filme bot, etwa Bong JoonHos Parasite, der über 80000 Eintritte verbuchte.

Das Filmpodium hat seinen Zuschauerdurchschnitt pro Vorstellung ebenfalls leicht steigern können, zumindest hinter dem Komma: Er liegt aktuell bei 34,64 Eintritten pro Vorstellung (2018: 33,79). Zu dieser statistischen schwarzen Null beigetragen haben einige sehr gut beachtete Sonderveranstaltungen, die von externen Partnern angeregt wurden: Die Filme im Rahmen der Ringvorlesung zum 30. Jubiläum des Seminars für Filmwissenschaft brachten scharenweise Studierende ins Filmpodium und auch das kleine Buster-Keaton-Festival des IOIC zwischen den Jahren erfreute sich weit überdurchschnittlicher Beachtung. Immerhin lockte auch das hauseigene Filmbuff-Quiz fast 200 Personen an, und die neue Idee, freie Programmplätze kurzfristig und mit Aktualitätsbezug zu bespielen, geniesst guten Zuspruch. Neben dem Stummfilmfestival wurden die Woche der Nominierten für den Schweizer Filmpreis, die Jahrhundertfilmreihe und die Billy-Wilder-Retrospektive besonders gut besucht. Durchaus mehr Beachtung bzw. Entdeckerfreude verdient hätten allerdings die Zyklen zu Edward G. Robinson, Joe May, Youssef Chahine, Luis Buñuel und Hal Hartley sowie die Raritäten in der Locarno-Retrospektive «Black Light». Wir sind also in Sachen Publikumsstatistik mit einem blauen Auge davongekommen. “Editorial: Blaues Auge, schwarze Null” weiterlesen

Editorial: Eintritt immer freier

Dem Kino mangelt es bekanntlich an Publikumsnachwuchs. Die Digital Natives sind es gewohnt, Filme wo und wann immer sie wollen zu konsumieren, möglichst kostenlos und sei es nur auf dem Handy. Lichtspieltheater, zu denen man sich hinunbequemen muss, um Filme zu fixen, vorgegebenen Zeiten zu konsumieren, sind für sie nur wenig attraktiv – sofern sie solche Institutionen überhaupt noch auf dem Radar haben.

Das Filmpodium tut sich besonders schwer damit, junge Leute anzuziehen: Egal, wie toll unsere Klassiker sind und wie gut die Qualität der Kopie – die Filme im Programm sind oft älter als die Angehörigen der Generation Y und sie werden meist höchstens dreimal gezeigt. Ausserdem ist die Leinwand eher klein, die Sitze laden nicht zum Abhängen oder Knutschen ein, und Popcorn gibt’s auch nicht, nur schwer verdauliche Untertitel.

Immer mal wieder wird überdies bemängelt, der Eintrittspreis sei zu hoch. In den letzten Jahren haben wir deshalb verschiedene Ermässigungsvarianten geschaffen, die unser Kulturangebot für junge Filmfans mit kleinem Budget niederschwelliger machen sollten: das Jahrhundert-Abo, Sonderangebote für Filmstudierende oder das U25-Abo, ein Halbtax-Abo zum halben Preis für Unter-25-Jährige. Keines dieser Angebote fand den erwünschten Zuspruch. Möglicherweise liegt es an der Form der Vergünstigung an sich, dem Abo: Junge Leute wollen sich nicht auf längere Zeit binden. Abo, das klingt nach Verpflichtung und verplanter Freizeit.

Also haben wir uns gesagt: dann halt ohne! Ab sofort können alle Unter-25-Jährigen, egal ob in Ausbildung oder nicht, zum halben Preis ins Filmpodium, ganz ohne Abo oder sonstige Verbindlichkeiten, spontan, einmalig oder auch regelmässig. “Editorial: Eintritt immer freier” weiterlesen