Editorial: Beiboot ahoi!

Ein Kino kann man unterschiedlich programmieren. Kommerzielle Premierenkinos sind stark von den Verleihern abhängig, die die Kinostarts immer häufiger weltweit koordinieren, um der Piraterie vorzubeugen und das Medienecho besser zu steuern. Allzu viele Filme werden breit lanciert und verdrängen allzu schnell andere aus den Sälen. «Sleepers», wie man einst jene Filme nannte, die ihr Publikum nur langsam fanden, dann aber endlos im Kino liefen, sind heute undenkbar. Bei solchen Spätzündern kann man nur hoffen, dass sie online Erfolg haben, ehe sie ganz von der Bildfläche verschwinden.

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Georg Radanowicz, Fredi Murer und (virtuell aus L.A.) Xavier Koller im Filmpodium 

Am Freitag, dem 26. April zeigte das Filmpodium zur Feier des 80. Geburtstags des Regisseurs, Autors und Produzenten Georg Radanowicz seinen Film Alfred R. – Ein Leben und ein Film.

Im Gespräch mit Marcy Goldberg gaben Radanowicz, sein Hauptdarsteller Xavier Koller (via Skype aus Los Angeles) und Fredi M. Murer, der 1971 mit Radanowicz zu den Gründern der Nemo Film GmbH zählte, Auskunft über die Entstehung des Films und die damaligen Rahmenbedingungen des Neuen Schweizer Films. Anwesend waren zahlreiche Filmschaffende, darunter der Künstler und Musiker Anton Bruhin, der am improvisierten Jazz-Soundtrack von “Alfred R.” mitgearbeitet hatte, die weiteren Nemo-Film-Mitglieder Markus Imhoof, Hans-Ulrich Schlumpf und Iwan Schumacher sowie Rolf Lyssy, Thomas Koerfer, Sebastian C. Schröder, Marcel Just, Sabine Gisiger, Friedrich Kappeler, Rainer M. Trinkler und viele andere.

  • v. l. n. r.: Georg Radanowicz, Fredi M. Murer, Marcy Goldberg
  • v. l. n. r.: Georg Radanowicz, Fredi M. Murer, Marcy Goldberg; oben: Xavier Koller in L.A.
  • Georg Radanowicz, Fredi M. Murer
  • v. l. n. r.: Georg Radanowicz, Fredi M. Murer, Marcy Goldberg; oben: Xavier Koller in L.A.
  • Georg Radanowicz, Fredi M. Murer, Marcy Goldberg
  • v. l. n. r.: Georg Radanowicz, Fredi M. Murer, Marcy Goldberg
  • v. l. n. r.: Friedrich Kappeler, Hans-Ulrich Schlumpf, Rainer M. Trinkler
  • Marcy Goldberg, Fredi M. Murer
  • v. l. n. r.: Sebastian C. Schröder, Marcel Just
  • Iwan Schumacher
  • v. l. n. r.: Martin Girod, Hans-Ulrich Schlumpf, Michel Bodmer
  • v. l. n. r.: Thomas Koerfer, Marcel Just, Markus Imhoof
  • v. l. n. r.: Thomas Koerfer, Marcel Just, Markus Imhoof
  • v. l. n. r.: Fredi M. Murer, Sebastian C. Schröder
  • Mitte links: Rolf Lyssy, Mitte rechts: Georg Radanowicz
  • v. l. n. r.: Fredi M. Murer, Sebastian C. Schröder
  • Fredi M. Murer, Sabine Gisiger
  • Rolf Lyssy
  • Sabine Gisiger, Thomas Schärer, Marcy Goldberg
  • v. l. n. r.: Friedrich Kappeler, Hans-Ulrich Schlumpf, Rainer M. Trinkler
  • Fredi M. Murer
  • Georg Radanowicz, Fredi M. Murer
  • Georg Radanowicz
  • Georg Radanowicz, Fredi M. Murer
  • Fredi M. Murer
  • Georg Radanowicz, Fredi M. Murer

70 Jahre «Studio 4»

Als am 24. März 1949 das «Studio 4» eröffnet wurde, zeigte Roman Clemens, der das Interieur des Kinos gestaltet hatte und in den ersten Jahren auch für das Programm zeichnete, nicht irgendeinen Film. Er sicherte sich bei Paramount die Weltpremiere der neuen Komödie mit Superstar Bing Crosby, A Connecticut Yankee in King Arthurʼs Court, die sich zum Kassenschlager entwickelte. Zum 70-jährigen Jubiläum haben wir den Spass noch einmal gezeigt, und zwar in echtem Technicolor!

Neben den Begrüssungen durch Filmpodium-Leiterin Corinne Siegrist-Oboussier und dem stellvertretenden Leiter Michel Bodmer gab es auch eine kurze Einführung in die Geschichte des «Studio 4» (seit 1983 «Filmpodium») durch den Historiker und Filmexperten Felix Aeppli. Das «Studio 4» wurde 1948/49 vom Bauhaus-Schüler Roman Clemens gestaltet und zählt zu den wichtigsten Schweizer Baudenkmälern der klassischen Nachkriegsmoderne. Das Kino steht seit 1993 unter Denkmalschutz.

Viele ehemalige Mitarbeiter*innen des Kinos aus den letzten 35 Jahren haben sich an diesem Abend eingefunden, um diesen historischen Moment zu feiern.

Das erste Jahrhundert des Films: 1949

1949 ist das Jahr, in dem die unmittelbare Nachkriegszeit endet, der Kalte Krieg die Welt in zwei Lager spaltet – und in dem ein Film mit einer Zither-Melodie, mit Orson Welles’ «Kuckucksuhr-Rede» und mit einer Verfolgungsjagd durch die Wiener Kanalisation für Furore sorgt: Dem Briten Carol Reed gelingt mit The Third Man eine höchst authentische Momentaufnahme der geteilten und besetzten Stadt Wien und damit einer der besten britischen Filme des ganzen Jahrhunderts. Eine der brillantesten britischen Komödien inszeniert dagegen in diesem Jahr Robert Hamer mit Kind Hearts and Coronets, wo mit tiefschwarzem Humor durch familiäre Reihen gemordet wird; alle acht Opfer werden von Alec Guinness verkörpert, der damit seinen Weltruhm begründet.

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Das erste Jahrhundert des Films: 1939

Während die Welt am Vorabend eines weiteren Krieges in Europa stand, wurde in Hollywood gezaubert. Mit The Wizard of Oz erstrahlte ein Märchen auf der Leinwand, das bis heute zum festen, unzählige Male zitierten Bestandteil des popkulturellen Inventars gehört, dessen Requisiten Fetischcharakter haben und bis heute für Schlagzeilen sorgen: Erst kürzlich wurden Judy Garlands rote Glitzerschuhe, die vor Jahren gestohlen worden waren, von FBI-Agenten sichergestellt. MGM produzierte 1939 einen weiteren Film, der zu einem Mythos werden sollte, wiederum unter der Regie von Victor Fleming (u. a.) und wiederum in «glorious Technicolor»: Das opulente Südstaatenepos Gone with the Wind faszinierte über Generationen hinweg die Zuschauer und bleibt einer der grössten Kassenerfolge der Filmgeschichte. John Fords Stagecoach, der dritte legendäre US-amerikanische Film aus diesem schicksalhaften Jahr, lancierte die Renaissance des Western und machte John Wayne zum Star.

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Buon Appetito!

Das Filmpodium zeigte zur Lancierung der Coppola-Retrospektive am 30. März 2019 die ganze Godfather-Trilogie mit analogen Kopien. Während eines solchen Marathons muss man sich zwischendurch auch etwas stärken. Und da die Aussage “revenge is a dish best served cold” für Don Corleone zwar gelten mag, für Pizza tut sie es nicht! Deswegen fuhr die Pizzeria Napulé mit ihrem Pizza-Truck extra aus Meilen an die Nüschelerstrasse, um unsere Filmfans mit Pizza frisch aus dem Holzofen zu verwöhnen. Dazu gab’s auch noch leckere Cannoli von der traditionsreichen Konditorei Caredda und Wein von Francis Ford Coppolas Weingut in Kalifornien.

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit MAXIMUM CINEMA. Herzlichen Dank an Simon Kümin (Maximum Cinema) für die Fotos.

EDITORIAL: ABOS À LA CARTE

Das Publikum des Filmpodiums besteht zu einem ansehnlichen Teil aus Stammgästen, die seit Jahren wissen, dass es diese städtische Kulturinstitution gibt und was da veranstaltet wird. Sie sind in aller Regel alt genug, um das Kino dem PC, dem iPhone und der guten Stube als Abspielstätte für Filme vorzuziehen, und sie nehmen sich Zeit, um anderes als nur das Neueste und Lauteste zu sehen. Sie schätzen die kuratierte Auswahl von Klassikern der Filmgeschichte und die Präsentation von Trouvaillen abseits des Kanons. Zumeist haben diese Cinephilen ein General- oder ein Halbtax-Abo fürs Filmpodium; nicht wenige sind auch Mitglieder unseres Fördervereins Lumière.

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Eine Delikatesse: Bruno Ganz im Interview

Wir haben wieder einen Schatz ausgegraben –  Michel Bodmer, heute stellvertretender Leiter des Filmpodiums und damals noch Moderator von Delikatessen, im Gespräch mit Bruno Ganz – und zwar „on location“ im Filmpodium Zürich.

Das Interview zum Film Die Ewigkeit und ein Tag von Theo Angelopoulos, der 1998 die Goldene Palme in Cannes gewonnen hat, wurde im Mai 2001 ausgestrahlt, kurz nach dem 60. Geburtstag von Bruno Ganz.

(c) Schweizer Radio und Fernsehen SRF

Das erste Jahrhundert des Films: 1909 – 1999 im Überblick

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Ein Jahrhundertangebot: Rund 60 Filme für 50.–

Für unsere Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» können Studierende und alle anderen in Ausbildung auch im Kalenderjahr 2019 wieder von einem neuen Spezial-Abo profitieren: Das Abo für 50 Franken gewährt freien Zutritt zu den rund 60 Filmen dieser Reihe. Das Jahrhundert-Abo ist gegen entsprechenden Ausweis an der Kinokasse erhältlich.

Einzelne Filme (siehe untenstehende Liste) werden durch Mitarbeitende und Studierende des Seminars für Filmwissenschaft der Universität Zürich eingeführt; die Termine werden laufend in der untenstehenden Liste nachgetragen.

Für das detaillierte Programm mit allen Spieldaten (2 Wochen vor Start der jeweiligen Reihe): www.filmpodium.ch “Das erste Jahrhundert des Films: 1909 – 1999 im Überblick” weiterlesen

Francis Reusser im Filmpodium

Am Sonntag, 24. Februar 2019 war Francis Reusser aus Anlass des Kinostarts seiner filmischen Rückschau auf sein Leben und sein Werk, La séparation des traces (2018), in Zürich im Kino Kosmos zu Gast.

Das Filmpodium nutzte die Gelegenheit um, ebenfalls in Anwesenheit des Regisseurs, zwei seiner Frühwerke zu zeigen, Vive la mort (1969) und Seuls (1981), jüngst restauriert von der Cinémathèque suisse.

1942 in Vevey geboren, war Francis Reusser mehr als die älteren Cineasten der Groupe 5 ein Angehöriger der 68er-Generation, der sich offen und laut gegen die herrschenden Verhältnisse auflehnte und explizit politische Themen ansprach. Auch war das Frauenbild in seinen Filmen differenzierter, vielleicht dank der Mitwirkung von Patricia Moraz und Christiane Grimm bei Reussers Drehbüchern.

Auch Fredi Murer liess sich die Gelegenheit nicht entgehen, seinen alten Freund in Zürich zu begrüssen. Das Gespräch mit Francis Reusser führte Franziska Trefzer, Dozentin an der Hochschule Luzern.