Editorial: Entdeckungen ermöglichen

Arab

Vor wenigen Wochen ist das Zurich Film Festival (ZFF) zu Ende gegangen und hat in seiner 14. Ausgabe bei den Eintritten erstmals die 100000er-Marke überschritten. Von vielen als «Cüpli-Anlass» belächelt, setzt das Festival mit seinen Gala-Vorpremieren zwar nach wie vor auf Glamour, der in den Masters und Talks auch ins Filmpodium überschwappt. Im Wettbewerb und in den Nebensektionen jedoch lassen sich viele Besucherinnen und Besucher, vom Festivalfieber infiziert, auf Filme ein, von denen sie noch nie gehört haben, deren Regisseure sie nicht kennen und die sie sich im regulären Kinoprogramm kaum angesehen hätten. Das ZFF leistet damit im grossen Massstab, was auch das Filmpodium mit dem 4th Arab Film Festival beabsichtigt: dem Film ein Fest auszurichten und dem Publikum Entdeckungen und prägende Erlebnisse zu ermöglichen.

Beim Arab Film Festival ist es spezifisch die arabische Welt, deren aktuelles Filmschaffen wir den Zuschauerinnen und Zuschauern näherbringen wollen, seien dies neugierige Filminteressierte oder Menschen aus dieser Weltregion, die eine Verbindung zur Kultur ihrer Heimat aufrechterhalten möchten. Wir freuen uns nicht nur auf die Filme, sondern auch auf die zahlreichen Gäste – Schauspielerinnen und Schauspieler, Film-, Medien- und Festivalschaffende –, die in Gesprächsrunden Auskunft über und Einblick in ihre Arbeit geben werden. Diese exklusiven Festivalangebote sind nur möglich dank des Engagements des Vereins International Arab Film Festival Zurich (IAFFZ), mit dem wir bereits zum vierten Mal zusammenarbeiten. “Editorial: Entdeckungen ermöglichen” weiterlesen

Editorial: Schwarze Zahlen, schwarze Listen

Dia_Black ListWir haben es zwar schon in einem Newsletter von den Dächern gepfiffen, aber gute Nachrichten darf man auch mehr als einmal vermelden. Immer wieder war in den letzten Wochen in den Medien von der Krise des Kinos die Rede – in der Schweiz betrug der Publikumseinbruch im ersten Halbjahr 2018 gegenüber der Vorjahresperiode 18 Prozent, und Ende Juni hatte der endlose Sommer erst begonnen. Umso mehr freut uns, dass das Filmpodium mit seinem vor allem auf die Filmgeschichte ausgerichteten Programm auch in dieser schwierigen Zeit sein Publikum findet. Die Eintrittszahlen pro Vorstellung der Jahre 2016 und 2017 konnten im ersten Halbjahr 2018 gehalten werden – trotz Fussball-WM und strahlenden Badewetters. Auf besonderes Publikumsinteresse stiessen dabei das Stummfilmfestival und die Reihen zu Jeanne Moreau und Claudia Cardinale. Im Sommerprogramm setzte sich der Trend mit Maggie Smith und Ingmar Bergman fort. Auch einzelne Beiträge der Locarno-Retrospektive zu Leo McCarey fanden grossen Zuspruch.

Wir möchten unseren Stammgästen ebenso wie denjenigen, die unser Kino erst vor Kurzem entdeckt haben, ganz herzlich für ihre Treue und ihr anhaltendes Interesse an unserem Programm danken. “Editorial: Schwarze Zahlen, schwarze Listen” weiterlesen

Editorial: La connexion française

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In unserem Mai/Juni-Programm kämpfen zwei gegensätzliche Filmschaffende um die Gunst des Publikums: Agnès Varda vs. William Friedkin. Der Kontrast könnte grösser kaum sein: In dieser Ecke die zierlich-feinsinnige Belgierin mit dem Topfhaarschnitt, die zu den Wegbereiterinnen des französischen Autorenfilms zählt; ihr gegenüber der sechs Fuss grosse, sonnenbebrillte Hollywood-Actionfilmer, der Film als kollaborative Kunstform auffasst und die Auteur-Theorie als «Bockmist» betitelt. Auf den ersten Blick also eine Paarung, die nicht nur unterschiedliche Segmente unseres Publikums anspricht, sondern geradezu unvereinbar scheint. “Editorial: La connexion française” weiterlesen

Editorial: Man muss die Gäste feiern…

Dia_Cardinale_1920x1080pxDem 1986 vom Stimmvolk erteilten Auftrag gemäss ist das Filmpodium ein Ort der Unterhaltung, der Begegnungen und der Entdeckungen, der «dem Publikum ermöglicht, seine Lieblingsfilme (…) auf der Leinwand statt auf dem Bildschirm wiederzusehen, Filmschaffende, Künstler und Produzenten zu treffen». Es ist uns denn auch ein grosses Anliegen, über das blosse Vorführen von Filmen hinaus Veranstaltungen zu organisieren, die persönliche Begegnungen mit Gästen erlauben. Der Zugang zu Filmen ist heute dank Internet ja leichter denn je. Aber leibhaftige Menschen zu treffen, die sich mit dem Kino beschäftigen, ist ein Mehrwert, den nur ein Ort wie das Filmpodium bieten kann. “Editorial: Man muss die Gäste feiern…” weiterlesen

Editorial: Kurve gekriegt

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Für 2016 mussten wir einen markanten Rückgang der Eintritte vermelden (von durchschnittlich 39 auf 34 Gäste pro Vorstellung); dagegen präsentiert sich das Jahr 2017 erfreulicherweise als praktisch stabil: Insgesamt 31’887 Personen besuchten das Filmpodium, das sind nur 285 weniger als im Vorjahr und damit weiterhin 34 pro Vorstellung.

Natürlich würden wir uns über (wieder) höhere Eintrittszahlen freuen; dennoch ist «stabil» inzwischen keine Selbstverständlichkeit. Von ein paar Publikumsrennern abgesehen, laufen nämlich in den gewerblichen Arthouse-Kinos viele Filme oft mit deutlich weniger als 20 Gästen pro Vorstellung. Das hat diverse Gründe: Der individuelle Filmkonsum hat weiter zugenommen, ebenso das Angebot; manche Filme werden nur noch online gezeigt und auch Serien ziehen Filmfans in ihren Bann. Trotzdem kommen immer mehr Filme neu ins Kino (2016: 499; 2017: 531). In Zürich ist die Zahl der Leinwände nochmals angestiegen und immer neue Filmfestivals buhlen um Aufmerksamkeit. Das alles verstärkt die Aufsplitterung des Publikums und macht es für uns noch anspruchsvoller, Interessierte für unser Programm zu gewinnen. “Editorial: Kurve gekriegt” weiterlesen

Editorial: The Winter of Our Dis-content

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Am 8. Februar findet im Filmpodium eine Buchvernissage statt: Präsentiert wird die neue Ausgabe des CINEMA-Filmjahrbuchs, die Artikel und Essays zum Thema «Zukunft» enthält.

Eine mögliche Zukunft des Kinos ist ja: keine. Mehr und mehr verlagert sich der Filmkonsum weg von Kino, DVD/Blu-ray und Fernsehen ins Internet. Digital Natives raffen sich nur selten auf und pilgern in einen Lichtspielsaal, um einen Film auf der Leinwand zu sehen, erst recht nicht zu vorgegebenen Zeiten und bei winterlichen Temperaturen. Zu Hause auf der Couch kann man ja den Content (bzw. filmische Inhalte) runterladen, wanns einem passt.

Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und geschaut, welche Filme aus dem aktuellen Programm im deutschen Raum bzw. in der Schweiz (legal) online verfügbar sind. Dazu haben wir einen Service verwendet, der einen Überblick über 24 deutsche Plattformen gibt – darunter Branchenriesen wie iTunes, Amazon, Netflix und Google Play, aber auch speziellere Anbieter wie Mubi und realeyz –, und noch ein paar Schweizer Plattformen abgegrast. “Editorial: The Winter of Our Dis-content” weiterlesen

Editorial: Wie smart kuratieren wir?

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Kuratieren ist das Zauberwort der Stunde: Im unüberblickbaren Meer von Möglichkeiten des Kulturkonsums halten KuratorInnen dem Publikum ausgewählte Strohhalme hin, an denen es sich orientieren und festhalten kann: Sagt Instanz X, dass das Werk Y etwas taugt, opfere ich dafür meine knappe Zeit und Aufmerksamkeit. Freilich sollte ich wissen, nach welchen Kriterien Instanz X urteilt und ob ich diese teile. “Editorial: Wie smart kuratieren wir?” weiterlesen

Editorial: Alles so schön bunt hier

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Das Programmheft des Filmpodiums hat mit dieser Ausgabe ein leicht erneuertes Erscheinungsbild erhalten: Die gediegen schwarzweisse Broschüre, in der bisher nur mit einer Auszeichnungsfarbe dezent auf Besonderes hingewiesen wurde, enthält neben einigen gestalterischen Retuschen jetzt auch Farbbilder. Sie zieht also mit der Filmpodium-Website gleich, die bereits seit ein paar Jahren farbig ist. Den Wandel bei den Drucksachen haben wir ganz still und leise schon beim diesjährigen Sommerprogramm eingeläutet, indem wir zwei Leporellobilder zur Hongkong-Reihe farbig publizierten. Einigen unserer Stammleserinnen und -lesern war schon das ein Dorn im Auge. Und jetzt ist auch noch das Heft bunt! “Editorial: Alles so schön bunt hier” weiterlesen

Editorial: Haben die sie nicht alle?

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Wie bitte? Das Filmpodium widmet der Glanzzeit des Hongkong-Kinos eine grosse Retrospektive – ohne Chungking Express oder einen einzigen Film von John Woo? Da zeigen sie Hollywoodkomödien der Nachkriegszeit und verzichten auf Some Like It Hot? Sie feiern die Jahrhundertfilme von 1977, und weder Annie Hall noch Star Wars oder Close Encounters of the Third Kind sind dabei? Haben die sie nicht alle? “Editorial: Haben die sie nicht alle?” weiterlesen