Editorial: Alles so schön bunt hier

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Das Programmheft des Filmpodiums hat mit dieser Ausgabe ein leicht erneuertes Erscheinungsbild erhalten: Die gediegen schwarzweisse Broschüre, in der bisher nur mit einer Auszeichnungsfarbe dezent auf Besonderes hingewiesen wurde, enthält neben einigen gestalterischen Retuschen jetzt auch Farbbilder. Sie zieht also mit der Filmpodium-Website gleich, die bereits seit ein paar Jahren farbig ist. Den Wandel bei den Drucksachen haben wir ganz still und leise schon beim diesjährigen Sommerprogramm eingeläutet, indem wir zwei Leporellobilder zur Hongkong-Reihe farbig publizierten. Einigen unserer Stammleserinnen und -lesern war schon das ein Dorn im Auge. Und jetzt ist auch noch das Heft bunt!

Wir können Ihnen versichern: Wir stimmen damit nicht in den Chor der Marketingleute ein, wonach Schwarzweiss passé und wenig attraktiv sein soll. Im Gegenteil: Unser Kino ist und bleibt in seiner konsequenten Gestaltung in Schwarz, Grau und Weiss ein innenarchitektonisches Kunstwerk des Bauhaus-Schülers Roman Clemens. Viele Klassiker in unserem Programm führen vor Augen, dass die gekonnte Handhabung von Licht und Schatten ohne Farbe Höhepunkte der Filmkunst hervorgebracht hat. Und das nicht nur in der Stummfilmzeit, sondern zum Beispiel auch in den atmosphärischen Gruselfilmen und Films noirs von Jacques Tourneur im aktuellen Programm.

Umgekehrt ist aber auch klar, dass die schwarzweisse Bebilderung von Farbfilmen diesen letztlich nicht gerecht wird. Tourneur etwa hat in späteren Werken sehr präzise und malerisch mit Farbe gearbeitet. Und Federico Fellini, dem unsere zweite Hauptreihe gewidmet ist, schwelgte in den schrillen Farben der sechziger und siebziger Jahre; das spezielle, intensive Dunkelrosa, das er oft verwendet hat, ist auch der Grundton des Plakats zu dieser Reihe, das die ZHdK-Studentinnen Elena Gabriel, Rebecca Wey und Soraya Gaouaoua aufgrund einer Zeichnung des Regisseurs geschaffen haben. Diese und andere vielfarbige Meisterwerke der Filmkunst in unserem Programmheft nur mit Schwarzweissfotos zu illustrieren, würde ihre Qualitäten schmälern.

Wir hoffen daher, dass sich auch die Fans des alten Schwarzweiss-Looks mit der Würdigung von Farbfilmen mit Farbbildern anfreunden können. An der Gestaltung unseres Programms im Kino ändert sich dadurch nichts. Adleraugen haben höchstens bemerkt, dass unser neuer Laserprojektor Farben und Details noch etwas präziser abbildet – und Schwarzweiss ist jetzt erst recht schwarzweiss.

Corinne Siegrist-Oboussier und Michel Bodmer

 

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