Editorial: Wir bitten zur Kasse

Belle de jour (Luis Buñuel, Frankreich/Italien 1967)

Das Filmpodium der Stadt Zürich ist eine nicht gewinnorientierte kulturelle Institution. Der Löwenanteil unseres Budgets wird mit Steuergeldern gedeckt; ein aufwendiges Programm wie das unsere wäre sonst schlicht nicht finanzierbar – auch wenn wir erfreulicherweise im Sommer unseren Publikumsdurchschnitt nicht nur halten, sondern wieder leicht steigern konnten. Vielen Dank für Ihr Interesse an Billy Wilder und Toshiro Mifune!

Wir mussten in den letzten Jahren jedoch ein Phänomen beobachten, das nicht nur das Filmpodium und nicht nur das Kino, sondern alle möglichen Angebote und Events betrifft: Viele Leute reservieren aufs Geratewohl Plätze an diversen gleichzeitig stattfindenden Veranstaltungen, um dann im letzten Augenblick spontan zu entscheiden, welche sie wirklich besuchen wollen, in den allermeisten Fällen leider ohne sich anderswo abzumelden. Im Online-Zeitalter ist dies mit dem Anklicken eines «Reservieren»-Buttons sehr einfach geworden. Das Problem ist, dass auf diese Weise manche Veranstaltungen scheinbar ausgebucht sind, sodass sich Leute, die an sich interessiert wären, abschrecken lassen, auch wenn im Endeffekt viele reservierte Karten nicht abgeholt werden. Solche «No-Shows» sind im Filmpodium normalerweise kein Problem, weil unsere 263 Plätze selten alle besetzt sind. Bei Sonderevents jedoch wie etwa dem Rocky Horror Picture Show-Abend im vergangenen Februar zeigte sich, dass bei 263 Reservationen satte 100 Karten nicht abgeholt wurden – nachdem viele andere potenzielle Gäste im Vorverkauf beim scheinbar vollen Haus enttäuscht abgeblitzt waren.

Wir haben uns deshalb entschieden, wie die allermeisten anderen Kinos und Kulturangebote online nur noch den Kauf, nicht aber die Reservation von Karten zu ermöglichen. Wenn Sie sich auf den Online-Kauf nicht einlassen wollen, können Sie nach wie vor reservieren, nämlich telefonisch, und zwar unter unserer neuen Nummer: 044 415 33 66.

So, und nun wünschen wir viel Vergnügen bei unserem besonders vielfältigen Vorweihnachtsprogramm, das vom stummen animierten Experimentalfilm über Luis Buñuel und Hal Hartley bis nach Lettland führt und zum Jahresausklang in die Zukunft anno 2019 mündet.

Corinne Siegrist-Oboussier & Michel Bodmer

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