Das erste Jahrhundert des Films: 1933

Das Jahr 1933 ist geprägt durch die Machtergreifung der Nationalsozia­listen – es ist ein Jahr der ersten Welle der Vertreibung jüdischer Künst­ler, der Flucht ins zumindest vorübergehend sichere Ausland. In Deutsch­land sollten viele Filmschaffende für lange Zeit, wenn nicht gar zum letzten Mal Mitwirkende in einem deutschen Film sein. Viele ihrer Arbei­ten, die bereits 1932 produziert worden waren, kamen 1933 ins Kino und wurden – wie Fritz Langs Das Testament des Dr. Mabuse – von Propa­gandaminister Goebbels verboten. Einer der schönsten Befreiungsakte der Filmgeschichte, die Kissenschlacht in Jean Vigos Zéro de conduite, entstand in Frankreich, wurde aber ebenfalls von der Zensur verboten und erst über zehn Jahre später freigegeben. Die Geburt eines der berühmtesten Filmmonster dagegen wurde mit King Kong in den USA gefeiert, wo auch Ernst Lubitsch in Design for Living die Zensoren mit einer No­-Sex-­Devise abspeiste.

  • 42nd Street (Lloyd Bacon, USA)
  • Alice in Wonderland (Norman Z. McLeod, USA)
  • Baby Face (Alfred E. Green, USA)
  • Christopher Strong (Dorothy Arzner, USA)
  • Dancing Girl of Izu (Izu no odoriko) (Heinosuke Gosho, Japan)
  • Duck Soup (Leo McCarey, USA)
  • Ganga Bruta (Humberto Mauro, Brasilien)
  • Gold Diggers of 1933 (Mervyn LeRoy, USA)
  • I’m No Angel (Wesley Ruggles, USA)
  • Japanese Girls at the Harbor (Minato no Nihon musume) (Hiroshi Shimizu, Japan)
  • Little Women (George Cukor, USA)
  • Man’s Castle (Frank Borzage, USA)
  • Okraina (Boris Barnet, UdSSR)
  • Pilgrimage (John Ford, USA)
  • Queen Christina (Rouben Mamoulian, USA)
  • Sons of the Desert (William A. Seiter, USA)
  • The Bitter Tea of General Yen (Frank Capra, USA)
  • The Invisible Man (James Whale, USA)

Weitere wichtige Filme von 1933

42nd Street (Lloyd Bacon, USA)
Alice in Wonderland (Norman Z. McLeod, USA)
Baby Face (Alfred E. Green, USA)
The Bitter Tea of General Yen (Frank Capra, USA)
Christopher Strong (Dorothy Arzner, USA)
Dancing Girl of Izu (Izu no odoriko) (Heinosuke Gosho, Japan)
Duck Soup (Leo McCarey, USA)
Ganga Bruta (Humberto Mauro, Brasilien)
Gold Diggers of 1933 (Mervyn LeRoy, USA)
I’m No Angel (Wesley Ruggles, USA)
The Invisible Man (James Whale, USA)
Japanese Girls at the Harbor (Minato no Nihon musume) (Hiroshi Shimizu, Japan)
Little Women (George Cukor, USA)
Man’s Castle (Frank Borzage, USA)
Okraina (Boris Barnet, UdSSR)
Pilgrimage (John Ford, USA)
Queen Christina (Rouben Mamoulian, USA)
Sons of the Desert (William A. Seiter, USA)

Das erste Jahrhundert des Films: 1992

Unsere Filmauswahl für das Jahr 1992 vereinigt grosse Gefühle, abgründige Männerporträts und Roadmovies mit Kindern und Jugendlichen.

Il ladro bi bambini ( Gianni Amelio, Italien/Frankreich/Schweiz)

Mit Strictly Ballroom trat erstmals ein junger australischer Regisseur auf, der mit seiner unverschämten Freude an grossen Gefühlen, Glamour und prächtigen Kostümen verblüffte: Baz Luhrmann. Mit seiner Liebe zur Opulenz sollte er danach noch mehrfach von sich reden machen, sei es mit dem eigenwillig modernisierten Romeo and Juliet, dem schwelgerischen Moulin Rouge! oder mit dem Epos Australia. Der Italiener Gianni Amelio hatte schon mehrere Filme realisiert und für Porte aperte (1991) zahlreiche Preise erhalten, als er 1992 mit Ladro di bambini die Herzen des Kinopublikums eroberte, mit der Geschichte des jungen Polizisten, dem unvorbereitet die Verantwortung für zwei herumgeschobene Kinder übertragen wird. Um ein (heiss geliebtes) Kind geht es auch in Christine Pascals Le petit prince a dit, dem vielleicht schönsten Film der viel zu früh verstorbenen Schauspielerin und Regisseurin, während Fernando Solanas’ Protagonist Martín schon ein Teenager ist, als er sich quer durch Lateinamerika auf die Suche nach dem Vater macht und gleichzeitig den ganzen Kontinent kennenlernt. Einer der erfolgreichsten lateinamerikanischen Filme steht mit Como agua para chocolate aus Mexiko auf dem Programm, der Sublimierung von unerfüllter Leidenschaft in die Kochkunst. Zwei sehr unterschiedliche Porträts von Männern schliesslich sind The Crying Game und Bad Lieutenant: In beiden tun sich Abgründe auf, die die Protagonisten zur Konfrontation mit sich selbst zwingen.

  • Basic Instinct (Paul Verhoeven, USA)
  • Batman Returns (Tim Burton, USA)
  • Bob Roberts (Tim Robbins, USA)
  • Bram Stoker’s Dracula (Francis Ford Coppola, USA)
  • Conte d’hiver (Eric Rohmer, Frankreich)
  • Die Geschichte von Qiu (Ju Qiu Ju da guan si) (Zhang Yimou, China)
  • Glengarry Glen Ross (James Foley, USA)
  • Hors saison (Daniel Schmid, Schweiz)
  • Howard’s End (James Ivory, GB)
  • La vie de bohème (Aki Kaurismäki, Finnland)
  • Les nuits fauves (Cyril Collard, Frankreich)
  • Malcolm X (Spike Lee, USA)
  • Orlando (Sally Potter, GB)
  • Reservoir Dogs (Quentin Tarantino, USA)
  • Schtonk! (Helmut Dietl, Deutschland)
  • The Player (Robert Altman, USA)
  • Und das Leben geht weiter (Zendegi va digar hich) (Abbas Kiarostami, Iran)
  • Un cœur en hiver (Claude Sautet, Frankreich)
  • El mariachi (Robert Rodriguez, USA)
  • Unforgiven (Clint Eastwood, USA)
  • Husbands and Wives (Woody Allen, USA)
  • Hyènes (Djibril Diop Mambéty, Senegal)
  • The Best Intentions (Den goda viljan) (Bille August, Schweden)
  • Un lugar en el mundo (Adolfo Aristarain, Argentinien)
  • Hard Boiled (John Woo, Hongkong)

Weitere wichtige Filme von 1992

Basic Instinct (Paul Verhoeven, USA)
Batman Returns (Tim Burton, USA)
Bob Roberts (Tim Robbins, USA)
Bram Stoker’s Dracula (Francis Ford Coppola, USA)
Conte d’hiver (Eric Rohmer, Frankreich)
Die Geschichte von Qiu / Ju Qiu Ju da guan si (Zhang Yimou, China)
El mariachi (Robert Rodriguez, USA)
Glengarry Glen Ross (James Foley, USA)
Hard Boiled (John Woo, Hongkong)
Hors saison (Daniel Schmid, Schweiz)
Howard’s End (James Ivory, GB)
Husbands and Wives (Woody Allen, USA)
Hyènes (Djibril Diop Mambéty, Senegal)
La vie de bohème (Aki Kaurismäki, Finnland)
Les nuits fauves (Cyril Collard, Frankreich)
Malcolm X (Spike Lee, USA)
Orlando (Sally Potter, GB)
Reservoir Dogs (Quentin Tarantino, USA)
Schtonk! (Helmut Dietl, Deutschland)
The Best Intentions (Den goda viljan) (Bille August, Schweden)
The Player (Robert Altman, USA)
Un cœur en hiver (Claude Sautet, Frankreich)
Un lugar en el mundo (Adolfo Aristarain, Argentinien)
Und das Leben geht weiter (Zendegi va digar hich) (Abbas Kiarostami, Iran)
Unforgiven (Clint Eastwood, USA)

Das erste Jahrhundert des Films: 1982

Mainstream- und Kunstkino sind nicht nur ein Gegensatzpaar, sondern oft genug miteinander verflochten. Ein sprechendes Beispiel sind die unterschiedlichen Rollen, die Francis Ford Coppola 1982 bei One from the Heart, Der Stand der Dinge und Koyaanisqatsi innehatte.

Koyaanisqatsi (Godfrey Reggio, USA)

1982 war aus kommerzieller Sicht das Jahr von E.T., «dem besten Disney- Film, den Disney nie gemacht hat» (Variety). Das Fantasy-Märchen vom guten Alien festigte Steven Spielbergs Ruf als erfolgreichster Filmemacher. Sein einstiger Weggefährte Francis Ford Coppola dagegen wollte nach Apocalypse Now ganz andere Filme machen und sah die Zukunft des Kinos – allzu früh – schon in elektronisch erzeugten Traumbildern. Sein synthetisches Meisterstück One from the Heart bescherte seiner Firma die Insolvenz.

Coppola war es auch, der Wim Wenders ein paar Jahre zuvor eingeladen hatte, einen Film über Dashiell Hammett zu machen, doch zog sich das Projekt wegen Meinungsverschiedenheiten hin. Wenders verarbeitete seine amerikanischen Erfahrungen in Der Stand der Dinge, seinem Essay über die unterschiedlichen Vorstellungen von Kino zwischen Kunst und Kommerz.

Um den schöpferischen Prozess dreht sich auch The Draughtsman’s Contract, der erste Spielfilm Peter Greenaways, der damit zum Inbegriff des intellektuellen Filmkünstlers wurde. Ein weiteres experimentelles Werk kam mit Koyaanisqatsi auf die Leinwand: Diese ebenfalls von Coppola unterstützte Zivilisationskritik wurde zu einem weltweiten Erfolg – obwohl denkbar weit entfernt von den Prinzipien des Blockbuster-Kinos.

  • La notte di San Lorenzo (Paolo & Vittorio Taviani, Italien)
  • Gandhi (Richard Attenborough, GB)
  • Die weisse Rose (Michael Verhoeven, BRD)
  • Yol (Ilmaz Güney/Serif Gören, Türkei)
  • White Dog (Samuel Fuller, USA)
  • The Thing (John Carpenter, USA)
  • Tenebre (Dario Argento, Italien)
  • Sophie’s Choice (Alan J. Pakula, USA)
  • The Shaolin Temple (Shao Lin Si)(Chang Hsin-yan, China)
  • Die Sehnsucht der Veronika Voss (R. W. Fassbinder, BRD)
  • Querelle (R.W. Fassbinder, BRD)
  • Pink Floyd The Wall (Alan Parker, GB)
  • Hammett (Wim Wenders, USA)
  • Fitzcarraldo (Werner Herzog, BRD)
  • First Blood (Ted Kotcheff, USA)
  • Fanny och Alexander (Ingmar Bergman, Schweden)
  • Eating Raoul (Paul Bartel, USA)
  • Das Gespenst (Herbert Achternbusch, BRD)
  • Diner (Barry Levinson, USA)
  • Dead Men Don’t Wear Plaid (Carl Reiner, USA)
  • The Dark Crystal (Jim Henson, Frank Oz, USA)
  • Conan the Barbarian (John Milius, USA)
  • La colmena (Mario Camus, Spanien)
  • Blade Runner (Ridley Scott, USA)

Weitere wichtige Filme von 1982

Blade Runner (Ridley Scott, USA)
La colmena (Mario Camus, Spanien)
Conan the Barbarian (John Milius, USA)
The Dark Crystal (Jim Henson, Frank Oz, USA)
Dead Men Don’t Wear Plaid (Carl Reiner, USA Diner Barry Levinson, USA)
Das Gespenst (Herbert Achternbusch, BRD)
Eating Raoul (Paul Bartel, USA)
Fanny och Alexander (Ingmar Bergman, Schweden)
First Blood (Ted Kotcheff, USA)
Fitzcarraldo (Werner Herzog, BRD)
Gandhi (Richard Attenborough, GB)
Hammett (Wim Wenders, USA)
La notte di San Lorenzo (Paolo & Vittorio Taviani, Italien)
Pink Floyd The Wall (Alan Parker, GB)
Querelle (R.W. Fassbinder, BRD)
Die Sehnsucht der Veronika Voss (R. W. Fassbinder, BRD)
The Shaolin Temple/Shao Lin Si (Chang Hsin-yan, China)
Sophie’s Choice (Alan J. Pakula, USA)
Tenebre (Dario Argento, Italien)
The Thing (John Carpenter, USA)
Die weisse Rose (Michael Verhoeven, BRD)
White Dog (Samuel Fuller, USA)
Yol (Ilmaz Güney/Serif Gören, Türkei)

Das erste Jahrhundert des Films: 1962 & 1972

Bedingt durch unsere Sommerpause vereint das Juli-August-Programm zwei Jahrgänge, 1962 und 1972. Während 1962 durch Erneuerungsbewegungen im europäischen Kino geprägt ist, trumpft 1972 Francis Ford Coppola mit seinem epochemachenden The Godfather auf.

The Godfather (Francis Ford Coppola, USA)

1962 war für Hollywood ein Krisenjahr, wie es der Tod Marilyn Monroes nur äusserlich markierte: Das Studiosystem mit seinen Stars hatte weitgehend ausgedient, und während das europäische Kino etwa mit Nouvelle Vague und Free Cinema ganz im Zeichen des Aufbruchs stand, hatten die jungen Wilden von New Hollywood noch nicht begonnen, das amerikanische Kino mit ihrer frischen Herangehensweise zu durchlüften. Entsprechend ist unsere Auswahl vom europäischen Kino dominiert. Sie vereinigt mehrere Erstlings- und Zweitlingsfilme, etwa Cléo de 5 à 7 von «Nouvelle-Vague-Mutter» Agnès Varda, Mamma Roma von Pier Paolo Pasolini und Das Messer im Wasser, den ersten und einzigen polnischen Langspielfilm von Roman Polanski; sie zeigt aber auch eine neue Tendenz auf, politisch engagiertes, zeitkritisches Kino zu machen, etwa mit Salvatore Giuliano von Francesco Rosi oder The Loneliness of the Long Distance Runner von Tony Richardson.

1972 ist der Wandel in den USA vollzogen, das US-Kino ist mit neuer Kraft präsent. In Europa begeistert Federico Fellini mit seiner Stadt-Hommage Roma, Altmeister Ingmar Bergman mit Schreie und Flüstern, während Bernardo Bertolucci mit Last Tango in Paris einen wohlkalkulierten Skandal inszeniert. Paul Leduc schliesslich setzt mit seiner romantikfreien Schilderung des Engagements von Reporter John Reed in Reed, México insurgente neue Massstäbe für das mexikanische Kino.

  • Vivre sa vie (Jean-Luc Godard, Frankreich)
  • Iwans Kindheit (Ivanovo detstvo) (Andrej Tarkowskij, UdSSR)
  • Pagador de promessas (Anselmo Duarte, Brasilien)
  • Cronaca familiare (Valerio Zurlini, Frankreich/Italien)
  • What Ever Happened to Baby Jane? (Robert Aldrich, USA)
  • To Kill a Mockingbird (Robert Mulligan, USA)
  • The Miracle Worker (Arthur Penn, USA)
  • The Man Who Shot Liberty Valance (John Ford, USA)
  • The Longest Day (Ken Annakin, USA)
  • Sanjuro (Tsubaki Sanjuro) (Akira Kurosawa, Japan)
  • Ride the High Country (Sam Peckinpah, USA)
  • Lolita (Stanley Kubrick, GB)
  • Le procès de Jeanne d’Arc (Robert Bresson, Frankreich)
  • Le doulos (Jean-Pierre Melville, Frankreich/Italien)
  • Lawrence of Arabia (David Lean, GB)
  • La commare secca (Bernardo Bertolucci, Italien)
  • Jules et Jim (François Truffaut, Frankreich)
  • Dr. No (Terence Young, GB)
  • Der Geschmack von Makrelen (Sanma no aji) (Yasujiro Ozu, Japan)
  • Carnival of Souls (Herk Harvey, USA)
  • Cape Fear (J. Lee Thompson, USA)
  • A Kind of Loving (John Schlesinger, GB)

Weitere wichtige Filme von 1962

A Kind of Loving (John Schlesinger, GB)
Cape Fear (J. Lee Thompson, USA)
Carnival of Souls (Herk Harvey, USA)
Cronaca familiare (Valerio Zurlini, Frankreich/Italien)
Der Geschmack von Makrelen (Sanma no aji) (Yasujiro Ozu, Japan)
Dr. No (Terence Young, GB)
Iwans Kindheit (Ivanovo detstvo) (Andrej Tarkowskij, UdSSR)
Jules et Jim (François Truffaut, Frankreich)
La commare secca (Bernardo Bertolucci, Italien)
Lawrence of Arabia (David Lean, GB)
Le doulos (Jean-Pierre Melville, Frankreich/Italien)
Le procès de Jeanne d’Arc (Robert Bresson, Frankreich)
Lolita (Stanley Kubrick, GB)
Pagador de promessas (Anselmo Duarte, Brasilien)
Ride the High Country (Sam Peckinpah, USA)
Sanjuro (Tsubaki Sanjuro) (Akira Kurosawa, Japan)
The Longest Day (Ken Annakin, USA)
The Man Who Shot Liberty Valance (John Ford, USA)
The Miracle Worker (Arthur Penn, USA)
To Kill a Mockingbird (Robert Mulligan, USA)
Vivre sa vie (Jean-Luc Godard, Frankreich)
What Ever Happened to Baby Jane? (Robert Aldrich, USA)

  • The Getaway (Sam Peckinpah, USA)
  • Der Fall (Kurt Früh, Schweiz)
  • I raconti di Canterbury (Pier Paolo Pasolini, Frankreich/Italien)
  • The Harder They Come (Perry Henzell, Jamaika)
  • Super Fly (Gordon Parks Jr., USA)
  • Tout va bien (Jean-Luc Godard / Jean-Pierre Gorin, Frankreich)
  • São Bernardo (Leon Hirszman, Brasilien)
  • Roter Psalm (Miklós Jancsó, Ungarn)
  • Ludwig (Luchino Visconti, Italien/BRD)
  • Les noces rouges (Claude Chabrol, Frankreich)
  • Les arpenteurs (Michel Soutter, Schweiz)
  • L’amour l’après-midi (Eric Rohmer, Frankreich)
  • Fat City (John Huston, USA)
  • Everything You Always Wanted to Know About Sex... (Woody Allen, USA)
  • Una pelea cubana contra los demonios (Tomás Gutiérrez Alea, Kuba)
  • Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Rainer Werner Fassbinder, BRD)
  • César et Rosalie (Claude Sautet, Frankreich)
  • Cabaret (Bob Fosse, USA)
  • Aguirre, der Zorn Gottes (Werner Herzog, BRD)

Weitere wichtige Filme von 1972

Aguirre, der Zorn Gottes (Werner Herzog, BRD)
Cabaret (Bob Fosse, USA)
César et Rosalie (Claude Sautet, Frankreich)
Der Fall (Kurt Früh, Schweiz)
Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Rainer Werner Fassbinder, BRD)
Una pelea cubana contra los demonios (Tomás Gutiérrez Alea, Kuba) Everything You Always Wanted to Know About Sex… (Woody Allen, USA)
Fat City (John Huston, USA)
Heute Nacht oder nie (Daniel Schmid, Schweiz/BRD)
I raconti di Canterbury (Pier Paolo Pasolini, Frankreich/Italien)
L’amour l’après-midi (Eric Rohmer, Frankreich)
Les arpenteurs (Michel Soutter, Schweiz)
Les noces rouges (Claude Chabrol, Frankreich)
Ludwig (Luchino Visconti, Italien/BRD)
Roter Psalm (Miklós Jancsó, Ungarn)
São Bernardo (Leon Hirszman, Brasilien)
Super Fly (Gordon Parks Jr., USA)
The Getaway (Sam Peckinpah, USA)
The Harder They Come (Perry Henzell, Jamaika)
Tout va bien (Jean-Luc Godard / Jean-Pierre Gorin, Frankreich)

Das erste Jahrhundert des Films: 1952

Vom «heissen» zum Kalten Krieg: Während Jeux interdits nochmals von den Wunden des Weltkriegs erzählt und Don Camillo die neuen Fronten als «Kommunismus vs. Katholizismus auf dem Dorfe» inszeniert, ruft der Western High Noon zu neuer Wehrhaftigkeit auf. Doch selbstverständlich kommen 1952 auch Meisterwerke heraus, die ihre Zeit nur indirekt spiegeln, etwa Le plaisir und Singin’ in the Rain.

Singin’ in the Rain (Stanley Donen, Gene Kelly, USA)

Nach knapp eineinhalb Jahren Laufzeit sei hier kurz das Prinzip unserer film­ historischen Langzeitreihe in Erinnerung gerufen: Wir erheben für «Das erste Jahrhundert des Films» einigermassen systematisch die 20 bis 30 wichtigsten Filme jedes Jahres von 1900 bis 1999 und nehmen aus dieser Vorauswahl sechs Filme in jedes Programm auf – im Jahr 2012 sind die Jahre mit der End­ zahl 2 dran (1912, 1922 usw. bis 1992). Was gezeigt und was bloss aufgelis­tet wird, richtet sich dabei nicht nur nach der Bedeutung oder Beispielhaftig­keit eines Films, sondern auch nach dem Umstand, ob wir ihn in anderem Zusammenhang kürzlich erst gezeigt haben, demnächst ohnehin zeigen wollen oder ob sich eine spielbare Kopie mit vertretbarem Aufwand beschaffen lässt.

Liebend gern hätten wir in unserer Auswahl mit Filmen von 1952 beispielsweise Akira Kurosawas Leben (Ikiru) neben Vittorio De Sicas Umberto D. gestellt, um zum Vergleich zweier überragender Altersporträts aus der japanischen bzw. italienischen Wiederaufbauzeit einzuladen. Doch Ikiru kommt mit etwas Glück bald wieder in den Schweizer Verleih – und wird dann als Reedition bei uns zu sehen sein. Eine Wiederaufführung zum jetzigen Zeitpunkt ist deshalb nicht sinnvoll. In makellosem Zustand hätten wir Ihnen auch gern Max Ophüls grossartige Maupassant-­Verfilmung Le plaisir gezeigt, deren deutsch untertitelte Kopie wir bereits bei unserer Ophüls­ Retro von 2001 als «fragil» einstuften. Die jetzigen Vorführungen könnten deshalb die einstweilen letzten sein, bis auch dieser Film digitalisiert vorliegt. Bei einem so populären und nach wie vor einträglichen Klassiker wie Singin’ in the Rain etwa ist das schon eine ganze Weile der Fall.

Die Beispiele illustrieren, dass der Faktor Zufall bei unseren Moment­ aufnahmen keine unerhebliche Rolle spielt. Anders als bei unseren sonstigen Zyklen, geht es uns bei der «Jahrhundertfilmreihe» auch primär um heraus­ ragende einzelne Werke und nicht um ihren Zusammenhang. Als Nebeneffekt resultieren bisweilen homo­, bisweilen auch so heterogene Zeitbilder wie bei der vorliegenden Jahrgangslese. «Heisser» und Kalter Krieg spiegeln sich ge­nauso darin wie Licht und Schatten der Wiederaufbauzeit.

  • The Bad and the Beautiful (Vincente Minnelli, USA)
  • Carnaval Atlântida (José Carlos Burle, Brasilien)
  • Das Leben einer Frau nach Saikako (Saikaku ichidai onna) (Kenji Mizoguchi, Japan)
  • Othello (Orson Welles, USA)
  • The Greatest Show on Earth (Cecil B. DeMille, USA)
  • Moulin Rouge (John Huston, GB)
  • Fanfan la Tulipe (Christian-Jaque, Frankreich)
  • The Quiet Man (John Ford, USA)
  • The Importance of Being Earnest (Anthony Asquith, GB)
  • Sehnsucht der Frauen (Kvinnors väntan) (Ingmar Bergman, Schweden)
  • Ruby Gentry (King Vidor, USA)
  • Mutter (Okaasan) (Mikio Naruse, Japan)
  • Lo sceicco bianco (Federico Fellini, I)
  • Les belles de nuit (René Clair, F)
  • Leben (Ikiru) (Akira Kurosawa, Japan)
  • Heidi (Luigi Comencini, CH)
  • Five Fingers (Joseph L Mankiewicz, USA)
  • Europa ’51 (Roberto Rossellini, Italien)
  • Cry, the Beloved Country (Zoltan Korda, GB)
  • Casque d’or (Jacques Becker, F)
  • Angel Face (Otto Preminger, USA)
  • Alraune (Arthur Maria Rabenalt, BRD)

Weitere wichtige Filme von 1952

Alraune (Arthur Maria Rabenalt, BRD)
Angel Face (Otto Preminger, USA)
Carnaval Atlântida (José Carlos Burle, Brasilien)
Casque d’or (Jacques Becker, F)
Cry, the Beloved Country (Zoltan Korda, GB)
Das Leben einer Frau nach Saikako (Saikaku ichidai onna) (Kenji Mizoguchi, Japan)
Das Netz (Jaal) (Guru Dutt, Indien)
Europa ’51 (Roberto Rossellini, Italien)
Fanfan la Tulipe (Christian-Jaque, Frankreich)
Five Fingers (Joseph L Mankiewicz, USA)
Heidi (Luigi Comencini, CH)
Leben (Ikiru) (Akira Kurosawa, Japan)
Les belles de nuit (René Clair, F)
Lo sceicco bianco (Federico Fellini, I)
Moulin Rouge (John Huston, GB)
Mutter (Okaasan) (Mikio Naruse, Japan)
Othello (Orson Welles, USA)
Ruby Gentry (King Vidor, USA)
Sehnsucht der Frauen (Kvinnors väntan) (Ingmar Bergman, Schweden)
The Bad and the Beautiful (Vincente Minnelli, USA)
The Greatest Show on Earth (Cecil B. DeMille, USA)
The Importance of Being Earnest (Anthony Asquith, GB)
The Quiet Man (John Ford, USA)

Das erste Jahrhundert des Films: 1942

Nach dem Überfall auf Pearl Harbor Ende 1941 wurde das Kriegs- geschehen definitiv zum Weltkrieg. Die Filme des Jahres 1942 sind vor diesem Hintergrund zu sehen: als Propagandafilme, Evasionskino oder Schilderungen der Ernüchterung.

This Gun for Hire (Frank Tuttle, USA)

Ein Pfarrer, der beim Predigen auf der Kanzel so lange mit der Pistole spielt, die er unter der Soutane versteckt hat, bis sich ein Schuss löst – zeitgenössische Kritiker bemängelten, Leopold Lindtberg und vor allem seine Produktionsfirma Praesens zeigten in Der Schuss von der Kanzel «Angst vor der Wirklichkeit» und würden sich mit der Wahl der Conrad-Ferdinand-Meyer-Novelle als Vorlage in ein unpolitisches Kostümland zurückziehen. Tatsächlich ist darin keine Geistige Landesverteidigung à la Füsilier Wipf, Gilberte de Courgenay und Landammann Stauffacher auszumachen. Und doch: Die Nähe zum Militärischen in einer Zeit mitten im Krieg ist wohl kein Zufall.

Am 7. Dezember 1941 überfiel Japan Pearl Harbor, am 8. Dezember traten die USA in den Zweiten Weltkrieg ein. Dies wird in Yankee Doodle Dandy, einem der drei Filme, die Michael Curtiz 1942 realisierte, schon thematisiert; Casablanca, Curtiz’ sicher bekanntester Film aus diesem Jahr, muss noch während den Dreharbeiten angesichts der Kriegsentwicklung immer wieder umgeschrieben werden. Mrs. Miniver, eine in England spielende amerikanische Produktion, wird von vielen schlicht als Propagandafilm, als Vorbereitung für den Eintritt der USA in den Krieg verstanden: «Seht», scheint er zu sagen, «diese Engländer sind (fast) wie wir – wir können sie angesichts der Bedrohung nicht im Stich lassen.» Viele Filme entstehen mit direkter staatlicher Unterstützung oder in Zusammenarbeit mit dem Kriegsministerium: One of Our Aircraft is Missing von Powell/Pressburger, In Which We Serve von David Lean und Noel Coward in England, in den USA John Fords Dokumentarfilm The Battle of Midway. Auch Ernst Lubitsch nimmt das Zeitgeschehen mit To Be or Not to Be auf; er aber musste sich später immer wieder vorhalten lassen, er habe keine Ahnung vom Ausmass der Naziverbrechen gehabt und habe diese verharmlost.

Neben Filmen mit direktem Kriegsbezug gab es auch eskapistische – Wiener Blut von Willi Forst etwa –, aber zunehmend auch solche, in denen Ernüchterung, ja Pessimismus sich breit macht: The Magnificent Ambersons rechnet mit dem Fortschrittsglauben ab, in dem er den Preis dafür benennt, und This Gun for Hire und The Glass Key deuten mit ihrer Grundstimmung schon an, wohin sich der Film noir entwickeln wird.

  • Footlight Serenade (Gregory Ratoff, USA)
  • Casablanca (Michael Curtiz, USA)
  • Dernier atout (Jacques Becker, F)
  • Desperate Journey (Raoul Walsh, USA)
  • Die goldene Stadt (Veit Harlan, D)
  • In Which We Serve (David Lean, Noel Coward, GB)
  • Noi vivi (Goffredo Alexandrini, I)
  • One of Our Aircraft Is Missing (Michael Powell, Emeric Pressburger, GB)
  • Saboteur (Alfred Hitchcock, USA)
  • The Talk of the Town (George Stevens, USA)
  • To Be or Not to Be (Ernst Lubitsch, USA)
  • Bambi (David Hand/Walt Disney Studio, USA)
  • L'assassin habite au 21 (Henri-Georges Clouzot, F)
  • The Palm Beach Story (Preston Sturges, USA)
  • Yankee Doodle Dandy (Michael Curtiz, USA)
  • Woman of the Year (George Stevens, USA)
  • Wiener Blut (Willi Forst, D)
  • Went the Day Well? (Alberto Cavalcanti, GB)
  • The Glass Key (Stuart Heisler, USA)
  • The Black Swan (Henry King, USA)
  • Native Land (Paul Strand, Leo Hurwitz, USA)
  • Maschenka (Juli Raisman, UdSSR)
  • Listen to Britain (Humphrey Jennings, UK)
  • Les inconnus dans la maison (Henri Decoin, F)
  • La symphonie fantastique (Christian-Jaque, F)
  • Jungle Book (Alexander Korda, USA)
  • I Married a Witch (René Clair, USA)
  • Gentleman Jim (Raoul Walsh, USA)
  • Cat People (Jacques Tourneur, USA)
  • Bengasi (August Genina, I)

Weitere wichtige Filme von 1942

Bambi (David Hand/Walt Disney Studio, USA)
Bengasi (August Genina, I)
Casablanca (Michael Curtiz, USA)
Cat People (Jacques Tourneur, USA) 
Dernier atout (Jacques Becker, F)
Desperate Journey (Raoul Walsh, USA)
Die goldene Stadt (Veit Harlan, D)
Footlight Serenade (Gregory Ratoff, USA) 
Gentleman Jim (Raoul Walsh, USA)
I Married a Witch (René Clair, USA)
In Which We Serve (David Lean, Noel Coward, GB) 
Jungle Book (Alexander Korda, USA)
La symphonie fantastique (Christian-Jaque, F) 
L’assassin habite au 21 (Henri-Georges Clouzot, F) 
Les inconnus dans la maison (Henri Decoin, F) 
Listen to Britain (Humphrey Jennings, UK)
Maschenka (Juli Raisman, UdSSR)
Native Land (Paul Strand, Leo Hurwitz, USA) 
Noi vivi (Goffredo Alexandrini, I)
One of Our Aircraft Is Missing (Michael Powell, Emeric Pressburger, GB)
Saboteur (Alfred Hitchcock, USA)
The Black Swan (Henry King, USA)
The Glass Key (Stuart Heisler, USA)
The Palm Beach Story (Preston Sturges, USA)
The Talk of the Town (George Stevens, USA) 
To Be or Not to Be (Ernst Lubitsch, USA) 
Went the Day Well? (Alberto Cavalcanti, GB) 
Wiener Blut (Willi Forst, D)
Woman of the Year (George Stevens, USA) 
Yankee Doodle Dandy (Michael Curtiz, USA)

Das erste Jahrhundert des Films: 1932

Frühe Tonfilme, späte Stummfilme und sehr unterschiedliche Beispiele sozial engagierten Kinos umfasst unsere Auswahl aus dem Jahr 1932.

Die verkaufte Braut (Max Ophüls, D)

Mit der Reklame «Erster Operntonfilm – Welturaufführung» wurde Max Ophüls’ Die verkaufte Braut am 18. August 1932 in München und am 2. September 1932 in Berlin lanciert. Obwohl der erste abendfüllende Tonfilm The Jazz Singer bereits 1927 Premiere hatte, war es auch fünf Jahre später noch möglich, mit «der Erste» zu werben – erst 1936 hatte sich der Tonfilm weltweit durchgesetzt.

Tatsächlich weisen die Filme unserer 1932er-Auswahl einen sehr unterschiedlichen Umgang mit dem Ton auf. In Japan hielt sich der Stummfilm, nicht zuletzt wegen der äusserst populären Benshi, einer spezifisch japanischen Form des Filmerklärers und -kommentators, länger als in den USA oder in Europa. So ist Ozus berührendes Meisterwerk Ich wurde geboren, aber … noch ganz stumm, obwohl Ozu schon mehrere Jahre als Regisseur tätig war und Heinosuke Gosho mit The Neighbour’s Wife and Mine (Madamu to nyobo) bereits 1931 den ersten japanischen Tonfilm realisiert hatte.

Carl Theodor Dreyers Vampyr ist ein Beispiel für die in der frühen Tonfilmzeit realisierten Mehrsprachenversionen, eine der wichtigsten Strategien der Produzenten, die Sprachgrenzen zu überwinden, die durch den Tonfilm plötzlich an Bedeutung gewonnen hatten: Der gleiche Film wurde, meist mit verschiedenen Stars, im gleichen Dekor parallel in mehreren Sprachfassungen gedreht. Bei Dreyer allerdings blieb das Darstellerensemble unverändert – schliesslich hatte der adlige Financier des Films die Hauptrolle inne – und es ist nur die deutschsprachige Fassung erhalten.

Sehr unterschiedlich sind auch die gezeigten Beispiele eines sozial engagierten Kinos: So will Tod Brownings Freaks nicht primär Mitleid und Entsetzen mit seinen körperlich missgebildeten Protagonisten wecken, sondern ihre Menschlichkeit hervorheben, und Mervyn LeRoy deckt in I Am a Fugitive from a Chain Gang zum Teil fast dokumentarisch die erbarmungslosen Zustände im amerikanischen Strafvollzug auf; der deutsche Film Kuhle Wampe von Slatan Dudow wiederum wollte nichts weniger, als die Kehrseite des Kapitalismus vorführen.

  • 26 Kommissare (Nikolai Schengelaja, UdSSR)
  • A Farewell to Arms (Frank Borzage, USA)
  • American Madness (Frank Capra, USA)
  • Blonde Venus (Josef von Sternberg, USA)
  • Boudu sauvé des eaux (Jean Renoir, F)
  • Das blaue Licht (Leni Riefenstahl, USA)
  • Das Testament des Dr. Mabuse (Fritz Lang, D)
  • Grand Hotel (Edmund Goulding, USA)
  • Horse Feathers (Norman McLeod, USA)
  • Ich bei Tag und du bei Nacht (Ludwig Berger, D)
  • Island of Lost Souls (Erle C. Kenton, USA)
  • Las hurdes (Luis Buñuel, Spanien)
  • Me and My Gal (Raoul Walsh, USA)
  • Quatorze juillet (René Clair, F)
  • ¡Que viva México! (Sergej M. Eisenstein, UdSSR)
  • Red Dust (Victor Fleming, USA)
  • Scarface (Howard Hawks, USA)
  • Shanghai Express (Josef von Sternberg, USA)
  • Tarzan the Ape Man (W. S. van Dyke, USA)
  • The Mummy (Karl Freund, USA)
  • The Most Dangerous Game (Ernest B. Schoedsack / Irving Pichel, USA)
  • Trouble in Paradise (Ernst Lubitsch, USA)

Weitere wichtige Filme von 1932

26 Kommissare (Nikolai Schengelaja, UdSSR) 
A Farewell to Arms (Frank Borzage, USA)
American Madness (Frank Capra, USA)
Blonde Venus (Josef von Sternberg, USA) 
Boudu sauvé des eaux (Jean Renoir, F)
Das blaue Licht (Leni Riefenstahl, USA)
Das Testament des Dr. Mabuse (Fritz Lang, D)
Ein steinreicher Mann (Stefan Székely, D)
Grand Hotel (Edmund Goulding, USA)
Horse Feathers (Norman McLeod, USA)
Ich bei Tag und du bei Nacht (Ludwig Berger, D) 
Island of Lost Souls (Erle C. Kenton, USA)
Las hurdes (Luis Buñuel, Spanien)
Me and My Gal (Raoul Walsh, USA)
Quatorze juillet (René Clair, F)
¡Que viva México! (Sergej M. Eisenstein, UdSSR) 
Red Dust (Victor Fleming, USA)
Scarface (Howard Hawks, USA)
Shanghai Express (Josef von Sternberg, USA) 
Tarzan the Ape Man (W. S. van Dyke, USA)
The Most Dangerous Game (Ernest B. Schoedsack / Irving Pichel, USA)
The Mummy (Karl Freund, USA)
Trouble in Paradise (Ernst Lubitsch, USA)

Das erste Jahrhundert des Films: 1991

Auch für das Filmschaffen war 1991 das erste «vollständige» Jahr nach der Wende in Europa. In den Filmen selbst ist davon zwar noch kaum etwas zu spüren, aber die Festivallandschaft beginnt sich zu verändern.

The Silence of the Lambs (Jonathan Demme, USA)

1990 fanden die Berliner Filmfestspiele erstmals in beiden Teilen Berlins statt – eine logistisch nicht ganz einfache Angelegenheit, existierte die DDR doch formell immer noch. Schon ein Jahr später – eine Berlinale im wieder vereinten Berlin war fast selbstverständlich – wartete man gespannt, ob es den Berliner Filmfestspielen gelingen würde, ihren Status als wichtigstes Festival für den osteuropäischen Film zu wahren. Die Zweifel waren berechtigt, wie sich bald zeigen sollte: Mit der Öffnung der Grenzen war die Konkurrenz unter den Festivals gewachsen; Cannes schnappte der Berlinale etliche attraktive osteuropäische Premieren weg. Bereits 1991 fand in Cottbus nahe der polnischen Grenze zum ersten Mal das Festival des osteuropäischen Films statt. Wenn auch für die Berlinale, für Cannes und Venedig keine Konkurrenz, hat sich das FilmFestival Cottbus in den vergangenen zwanzig Jahren weltweit als das bedeutendste Festival des osteuropäischen Films etablieren können.

Die Filme unserer Auswahl für das Jahr 1991 hatten an folgenden Festivals Premiere: The Silence of the Lambs in Berlin, Riff-Raff und La double vie de Véronique in Cannes (wobei letzterer trotz polnischer Regie nur bedingt als osteuropäisch gelten kann), und Urga und Raise the Red Lantern in Venedig. Nach seinem nationalen Start im Oktober 1991 feierte Les amants du Pont-Neuf ebenfalls in Berlin seine internationale Premiere, allerdings erst im Folgejahr.

Der Fall der Mauer mag die internationale Filmlancierung – bzw. die Wahl des dafür optimalen Festivals – beeinflusst haben, in den 1991er-Filmen ist die Wende noch kaum spürbar, weder als Thema noch als Produktion und Strukturen beeinflussender Faktor. Dafür ist es zu früh. Gleichwohl dürfte es kein Zufall sein, dass Nikita Michalkow in Urga vom drohenden Verlust der kulturellen Identität erzählt, auch wenn sein Film nicht in der zerfallenden Sowjetunion angesiedelt ist.

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Das erste Jahrhundert des Films: 1981

Drei Filme, in denen historische Figuren und Ereignisse dramatisch ver- dichtet werden, und drei, die «nur» glänzend unterhalten: Unsere Aus- wahl mit denkwürdigen Filmen von 1981 zeigt die realistische und die eskapistische Facette des Kinos gegen Ende einer grossen Autorenfilm- phase in Europa und am Anfang der Blockbusterära in den USA.

Das Boot ist voll (Markus Imhoof, Schweiz)

Das Boot ist voll von Markus Imhoof, Mephisto von István Szabó und Der Mann aus Eisen von Andrzej Wajda sind drei Filme in der Tradition des europäischen Autorenkinos. Alle drei reflektieren – auch mit historischen Stoffen – gesellschaftliche und moralische Debatten ihrer Zeit. Das Flüchtlingsdrama Das Boot ist voll etwa trug mit seiner eindringlichen Schilderung einiger (fiktiver) Einzelschicksale dazu bei, dass die selbstkritische Sicht auf die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg allmählich mehrheitsfähig wurde, während Szabós «Schlüsselfilm» über den Nazi-Hofschauspieler Gustaf Gründgens vom Opportunismus in totalitären Regimes auch jenseits des Nationalsozialismus handelt – und im Vergleich zu Klaus Manns literarischer Vorlage nachsichtiger ausfiel, weil der Regisseur das Dilemma des Protagonisten in Ungarn am eigenen Leib erfahren hatte. Wajda wiederum schuf 1980/81 mit Der Mann aus Eisen die grosse, hoffnungsvolle Momentaufnahme aus dem Herzen der Solidarność-Bewegung. Der verhaltene Optimismus dieses Films wurde schon wenige Monate nach der Premiere durch die Verhängung des Kriegsrechts in Polen zunichte gemacht, einige Jahre später aber auf unerwartete Weise übertroffen.

Steven Spielbergs Raiders of the Lost Ark und Jean-Jacques Beneix’ Diva sind zwei Beispiele für die Revitalisierung des Unterhaltungskinos in den frühen achtziger Jahren durch die Neuauslegung altehrwürdiger Genres. Beneix reicherte den klassischen französischen Krimi mit surrealen und ironischen Einsprengseln an, während Spielberg den Abenteuerfilm um Fantasyelemente und eine Stakkatodramaturgie erweiterte, die aus dem klassischen Dreiakter eine Achterbahnfahrt voller spektakulärer Wendungen macht. The French Lieutenant’s Woman schliesslich ist ein klassisches bürgerliches Melodram unter modernen Vorzeichen: Das anrührende Kostümdrama wird durch eine in der Gegenwart spielende Rahmenhandlung gebrochen. 

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Das erste Jahrhundert des Films: 1971

In unserer kleinen Auswahl mit wichtigen Filmen von 1971 spiegeln sich die Umbrüche der sechziger Jahre in jugendlichen Figuren, denen überkommene Werte nichts nützen oder nur noch Hohn und Spott sind. Doch nicht nur die Lebensentwürfe, auch die filmischen Ausdrucks­ formen sind zum Gegenstand des Experimentierens und Forschens ge­worden.

The Last Picture Show (Peter Bogdanovich, USA)

Eine eigensinnige junge Frau, die auf ihren Onkel geschossen haben soll (La salamandre); verlorene Kleinstadt-Teenager, deren Eltern schon lauter Gestrandete sind (The Last Picture Show); drei Kinder, die mutterseelenallein im australischen Outback und in sich selbst umherirren (Walkabout); eine Jugendgang, die pöbelnd und prügelnd durch die Grossstadt zieht (A Clockwork Orange): Die jungen Figuren in unserer 71er-Auswahl decken das ganze Haltungsspektrum einer Generation ab, die sich die Welt aus sich heraus neu erschliesst – von Orientierungslosigkeit über Verweigerung und sanfte Provokation bis zur handfesten Revolte und Umkehrung aller Werte.

Selbstverständlich ist es aber stets ein Stück Willkür, die Filme eines Jahres derart auf einen Nenner zu bringen. Hätten wir aus unserer Liste mit weiteren wichtigen Filmen von 1971 eine andere Auswahl getroffen, so hätte sich möglicherweise eine ganz andere thematische Klammer ergeben.

Eindeutiger aber zieht sich durch die Filme der anbrechenden siebziger Jahre die formale Experimentierfreude: Die neuen europäischen Wellen schwappen auf Hollywood über, und die überalterten Studios, die sich zum Teil schon auf das Führen von Casinos und Hotelketten verlegt haben, greifen die neuen Impulse gierig auf. Peter Bogdanovich darf seine illusionslose Last Picture Show in sprödem Schwarzweiss drehen, und Robert Altman zeigt den Wilden Westen in McCabe & Mrs. Miller als Kloake und formt den Wes- tern dabei zur burlesken Tragödie um. In Grossbritannien vermengt Stanley Kubricks A Clockwork Orange Pop- und Hochkultur zu einem nihilistischen Zeitbild, und Nicholas Roeg montiert seinen Walkabout aus radikal fragmentierten Bildern. Selbst die Schweiz wird von den neuen Strömungen erfasst: La salamandre ist bereits ein «offenes Kunstwerk» im Sinne Umberto Ecos: Es will die Schlussfolgerungen nicht festlegen, sondern dem aktiven Zuschauer überlassen.

  • A Touch of Zen (Xia nu) (King Hu, HK)
  • Trafic (Jacques Tati, F)
  • Two-Lane Blacktop (Monte Hellman, USA)
  • The French Connection (William Friedkin, USA)
  • The Assassination of Trotzky (Joseph Losey, GB)
  • Taking Off (Milos Forman, USA)
  • The Anderson Tapes (Sidney Lumet, USA)
  • Sunday Bloody Sunday (John Schlesinger, GB)
  • Sacco e Vanzetti (Giuliano Montaldo, GB)
  • Punishment Park (Peter Watkins, GB)
  • Max et les ferrailleurs (Claude Sautet, F)
  • Minnie and Moskowitz (John Cassavetes, USA)
  • Liebe (Szerelem) (Károly Makk, Ungarn)
  • Le souffle au cœur (Louis Malle, F)
  • Lange Abschiede (Dolgie prowodi) (Kira Muratowa, UdSSR)
  • La classe operaia va in paradiso (Elio Petri, I)
  • Klute (Alan J. Pakula, USA)
  • Johnny Got His Gun (Dalton Trumbo, USA)
  • Harold and Maude (Hal Ashby, USA)
  • Dirty Harry (Don Siegel, USA)
  • Die Zeremonie (Gishiki) (Nagisa Oshima, Japan)
  • Il Decameron (Pier Paolo Pasolini, I)
  • Morte a Venezia (Luchino Visconti, I)
  • Carnal Knowledge (Mike Nichols, USA)
  • Die Auswanderer (Utvandrarna) (Jan Troell, Schweden)

Weitere wichtige Filme aus 1971

Le souffle au cœur (Louis Malle, F)
Harold and Maude (Hal Ashby, USA)
Lange Abschiede (Dolgie prowodi) (Kira Muratowa, UdSSR)
Johnny Got His Gun (Dalton Trumbo, USA)
Il Decameron (Pier Paolo Pasolini, I)
Die Zeremonie (Gishiki) (Nagisa Oshima, Japan)
Morte a Venezia (Luchino Visconti, I)
Carnal Knowledge (Mike Nichols, USA)
Trafic (Jacques Tati, F)
The Assassination of Trotzky (Joseph Losey, GB)
Max et les ferrailleurs (Claude Sautet, F)
A Touch of Zen (Xia nu) (King Hu, HK)
Die Auswanderer (Utvandrarna) (Jan Troell, Schweden)
Punishment Park (Peter Watkins, GB)
The French Connection (William Friedkin, USA)
Dirty Harry (Don Siegel, USA)
Taking Off (Milos Forman, USA)
Minnie and Moskowitz (John Cassavetes, USA)
Two-Lane Blacktop (Monte Hellman, USA)
Klute (Alan J. Pakula, USA)
La classe operaia va in paradiso (Elio Petri, I)
The Anderson Tapes (Sidney Lumet, USA)
Sunday Bloody Sunday (John Schlesinger, GB)
Sacco e Vanzetti (Giuliano Montaldo, GB)
Liebe (Szerelem) (Károly Makk, Ungarn)