Editorial: Wilder Sommer

Some Like It Hot (Billy Wilder, USA 1959)

Billy Wilders Karriere begann in Deutschlands Stummfilmära, führte ihn nach der Machtübernahme der Nazis nach Paris und schliesslich nach Hollywood. Er war einer der zahlreichen deutschen und österreichischen Filmschaffenden, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch wieder nach Deutschland zurückkehrten oder zumindest -blickten. Mit 32 Titeln ist die Wilder-Retrospektive, die das Filmpodium diesen Sommer zeigt, umfangreich, aber immer noch nicht ganz adäquat. Dass The Emperor Waltz fehlt, in dem Bing Crosby sich als amerikanischer Grammophon-Vertreter durch die Tiroler Alpen jodelt, ist zu verschmerzen. Es gäbe aber noch viele weitere Frühwerke, bei denen Wilder als Koautor mitgewirkt hat, darunter die pfiffige Kästner-Adaption Emil und die Detektive und die Dreieckskomödie Ein blonder Traum, die wir beide unlängst gezeigt haben, sowie Der Teufelsreporter, den Drehbucherstling des ehemaligen Journalisten Wilder, die muntere Filmoperette Ihre Hoheit befiehlt und das teilweise in der U-Bahn angesiedelte Musical Das Blaue vom Himmel; auf diese kommen wir vielleicht ein andermal zurück.

Rashomon (Akira Kurosawa, Japan 1950)

Unser zweiter wilder Star des Sommers, Toshiro Mifune, fordert schliesslich auch den ihm gebührenden Platz ein. Japans bedeutendster Schauspieler ficht, springt, schiesst und raucht sich bei uns durch 17 Filme, wobei der Löwenanteil von Akira Kurosawa stammt; aus verleihrechtlichen und finanziellen Gründen kommen die meisten seiner anderen japanischen Filme – etwa Hiroshi Inagakis Samurai-Trilogie oder Kihachi Okamotos Sword of Doom – für unser Programm leider nicht in Frage. Immerhin beweist Mifune seine schauspielerischen und kampfkünstlerischen Fähigkeiten auch in Terence Youngs Red Sun und John Boormans Hell in the Pacific, und wir zeigen als Premiere seine einzige Regiearbeit, L’héritage des 500000. Die Dokumentation Mifune: The Last Samurai gibt eine Ahnung von seinen weiteren Filmen, von denen immerhin manche auf Blu-ray oder DVD verfügbar sind.

Verfügbarkeit ist auch das Prinzip der Initiative filmo, die im Juni lanciert wurde: Die Solothurner Filmtage und Engagement Migros sind die treibenden Kräfte, die im Verbund mit der Cinémathèque suisse herausragende Schweizer Filme in restaurierter Form und drei Sprachfassungen bereitstellen, damit sie in bestmöglicher Qualität auf VoD-Plattformen oder auch im Kino genossen werden können. Mit Les petites fugues ist diesen Sommer ein erstes Highlight dieses Projekts bei uns zu sehen.

Michel Bodmer

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