DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1998

The Truman Show (Peter Weir, USA 1998)
The Truman Show (Peter Weir, USA 1998)

Kurz vor Ende des letzten Jahrtausends erobert unser heutiges, von Stress geprägtes Lebensgefühl die Leinwand: Gerade mal 20 Minuten bleiben Tom Tykwers Lola, um ihren Freund zu retten – dreimal rennt sie los, dreimal nimmt das Schicksal seinen Lauf. Lola rennt ist nicht nur ein rasanter Actionfilm, sondern auch ein Essay über das Wesen des Kinos. Tykwer und seine Hauptdarstellerin Franka Potente machen damit international Furore. Eine ruhigere Kugel schiebt derweil in Joel und Ethan Coens The Big Lebowski der abgehalfterte Alt-Hippie Dude, der sich zwischen Bowlingrunden bei Joints, White-Russian-Cocktails und Walgesängen entspannt – ein Lebenskünstler, der zu einer viel zitierten Kultfigur avanciert. Relevanter als je zuvor wirkt heute Peter Weirs The Truman Show, in dem Jim Carrey als Truman Burbank Star und Opfer einer Fernsehshow ist und von Millionen sensationssüchtiger Zuschauer rund um die Uhr beobachtet wird. Ein weiterer Schlüsselfilm der neunziger Jahre ist Festen, der erste «Dogma»-Film, in dem Thomas Vinterberg die Perversion der modernen Gesellschaft schonungslos aufdeckt und mit seinem schnörkellosen Filmstil die Welt im Sturm erobert. Aufsehen erregt in diesem Jahr auch Samira Makhmalbaf mit ihrem Regiedebüt Der Apfel, in dem sie vom Schicksal zweier Mädchen erzählt, die vom Vater gefangen gehalten werden; ihr gelingt eine leise Kritik an der iranischen Gesellschaft. Zuletzt finden wir uns am Tor zum Paradies wieder, wo frisch Verstorbene ihre wichtigste Erinnerung als Filmclip realisieren lassen: Hirokazu Kore-edas After Life ist eine nachdenklich stimmende Reflexion über die Frage, was nach dem Tod geschieht, und zugleich ein zutiefst humanistischer Aufruf zu mehr Lebensfreude.

Tanja Hanhart

  • The Thin Red Line (Terrence Malick, USA)
  • Saving Private Ryan (Steven Spielberg, USA)
  • Rushmore (Wes Anderson, USA)
  • Ringu (Hideo Nakata, Japan)
  • Pi (Darren Aronofsky, USA)
  • My Name is Joe (Ken Loach, GB)
  • Lock, Stock and Two Smoking Barrels (Guy Ritchie, GB)
  • La vida es silbar (Fernando Pérez, Kuba)
  • La leggenda del pianista sull’oceano (Giuseppe Tornatore, I)
  • Idioten (Lars von Trier, Dänemark)
  • Happiness (Todd Solondz, USA)
  • Fear and Loathing in Las Vegas (Terry Gilliam, USA)
  • F. est un salaud (Marcel Gisler, CH)
  • Die Ewigkeit und ein Tag (Mia eoniotita ke mia mera) (Theo Angelopoulos, Griechenland)
  • Conte d’automne (Eric Rohmer, F)
  • Chat noit chat blanc (Emir Kusturica, Jugoslawien)
  • Buffalo 66 (Vincent Gallo, USA)
  • American History X (Tony Kaye, USA)

 

Weitere wichtige Filme von 1998
American History X, Tony Kaye, USA
Buffalo 66, Vincent Gallo, USA
Chat noir, chat blanc, Emir Kusturica, Jugoslawien
Conte d’automne, Eric Rohmer, F
Die Ewigkeit und ein Tag (Mia eoniotita ke mia mera), Theo Angelopoulos, Griechenland
F. est un salaud, Marcel Gisler, CH
Fear and Loathing in Las Vegas, Terry Gilliam, USA
Happiness, Todd Solondz, USA
Idioten, Lars von Trier, Dänemark
La leggenda del pianista sull’oceano, Giuseppe Tornatore, I
La vida es silbar, Fernando Pérez, Kuba
Lock, Stock and Two Smoking Barrels, Guy Ritchie, GB
My Name is Joe, Ken Loach, GB
Pi, Darren Aronofsky, USA
Ringu, Hideo Nakata, Japan
Rushmore, Wes Anderson, USA
Saving Private Ryan, Steven Spielberg, USA
The Thin Red Line, Terrence Malick, USA

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