Editorial: Kurve gekriegt

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Für 2016 mussten wir einen markanten Rückgang der Eintritte vermelden (von durchschnittlich 39 auf 34 Gäste pro Vorstellung); dagegen präsentiert sich das Jahr 2017 erfreulicherweise als praktisch stabil: Insgesamt 31’887 Personen besuchten das Filmpodium, das sind nur 285 weniger als im Vorjahr und damit weiterhin 34 pro Vorstellung.

Natürlich würden wir uns über (wieder) höhere Eintrittszahlen freuen; dennoch ist «stabil» inzwischen keine Selbstverständlichkeit. Von ein paar Publikumsrennern abgesehen, laufen nämlich in den gewerblichen Arthouse-Kinos viele Filme oft mit deutlich weniger als 20 Gästen pro Vorstellung. Das hat diverse Gründe: Der individuelle Filmkonsum hat weiter zugenommen, ebenso das Angebot; manche Filme werden nur noch online gezeigt und auch Serien ziehen Filmfans in ihren Bann. Trotzdem kommen immer mehr Filme neu ins Kino (2016: 499; 2017: 531). In Zürich ist die Zahl der Leinwände nochmals angestiegen und immer neue Filmfestivals buhlen um Aufmerksamkeit. Das alles verstärkt die Aufsplitterung des Publikums und macht es für uns noch anspruchsvoller, Interessierte für unser Programm zu gewinnen.

Das Filmpodium hat deshalb seine Anstrengungen verstärkt, den Publikumskreis auszuweiten und insbesondere auch Jüngere anzusprechen. Dazu haben wir diverse Anlässe veranstaltet und zusätzliche Abonnementsformen angeboten. Mit dem Sommer-Abo etwa ist es uns gelungen, ein neues Publikumssegment anzusprechen und zum Teil als Stammgäste zu gewinnen. Ein Sonder-Abonnement für die Filmgeschichtsreihe «Das erste Jahrhundert des Films», das sich an alle in Ausbildung richtet, ist seit Januar 2018 erhältlich.

Sicher können wir die Veränderungen im Publikumsverhalten, die der Digitalisierung geschuldet sind, nicht rückgängig machen, aber unsere Ambition ist es, den Kinobesuch beim cinephilen jungen Publikum weiterhin als die ideale Rezeptionsform von Film gegenwärtig zu halten. Unseren älteren Stammgästen brauchen wir dies selbstverständlich nicht zu beweisen, wie etwa der Erfolg der Reihen zu Federico Fellini oder Cary Grant mit über 69 bzw. 62 Eintritten pro Vorstellung zeigt.

Schliesslich können wir noch stolz vermelden, dass eines der drei Plakate, die wir pro Jahr gestalten lassen können, in die aktuelle Liste der 100 besten Plakate aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgenommen wurde. Es handelt sich um das Ida-Lupino-Plakat der ZHdK-Studierenden Rebecca Wey und Elena Gabriel vom Juni 2016 – was beweist, dass junge kreative Menschen in unserem Programm Inspiration finden.

Corinne Siegrist-Oboussier

 

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