Editorial: Man muss die Gäste feiern…

Dia_Cardinale_1920x1080pxDem 1986 vom Stimmvolk erteilten Auftrag gemäss ist das Filmpodium ein Ort der Unterhaltung, der Begegnungen und der Entdeckungen, der «dem Publikum ermöglicht, seine Lieblingsfilme (…) auf der Leinwand statt auf dem Bildschirm wiederzusehen, Filmschaffende, Künstler und Produzenten zu treffen». Es ist uns denn auch ein grosses Anliegen, über das blosse Vorführen von Filmen hinaus Veranstaltungen zu organisieren, die persönliche Begegnungen mit Gästen erlauben. Der Zugang zu Filmen ist heute dank Internet ja leichter denn je. Aber leibhaftige Menschen zu treffen, die sich mit dem Kino beschäftigen, ist ein Mehrwert, den nur ein Ort wie das Filmpodium bieten kann.

Bei unseren Gästen gibt es, grob gesagt, drei Kategorien: Filmschaffende, Filmkundige und andere Kulturschaffende. Filmschaffende, die zu ihren Werken Rede und Antwort stehen, wären in der Regel am spannendsten, doch gerade bei unseren Klassikerreihen sind sie selten verfügbar: Carl Theodor Dreyer, Jeanne Moreau und Eliseo Subiela, die wir neulich würdigten, haben den Weg nach Zürich nicht mehr gefunden. Claudia Cardinale, die wir in diesem Programm feiern, hat als rüstige 80-jährige Diva nicht nur weiterhin Theaterengagements, sondern leider auch Gagenvorstellungen, bei denen wir passen müssen. Umso mehr freut es uns, dass sie angeboten hat, das Filmpodium-Publikum per Videobotschaft zu grüssen. Der 82-jährige William Friedkin, dem wir im Mai/Juni eine Retrospektive widmen, würde laut seinem Agenten kommen – wenn man ihm einen Lifetime Achievement Award verliehe, aber das Filmpodium verteilt nun mal keine Preise.

Zum Glück gibt es Festivals wie das Pink Apple, mit denen wir zusammenarbeiten können. So wird die Produzentin Christine Vachon, der wir in diesem Programm die zweite Hauptreihe widmen, bei mehreren Veranstaltungen im Filmpodium präsent sein. Schweizer Filmschaffende beehren uns öfter, nicht nur anlässlich der eben vergangenen Woche der Nominierten für den Schweizer Filmpreis. In den kommenden Monaten bereichern zudem angehende und arrivierte Filmwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler unsere Reihe «Das erste Jahrhundert des Films» mit Einführungen zu einzelnen Werken. Und selbstverständlich zeigen wir weiterhin Stummfilme, die von herausragenden MusikerInnen und Ensembles live begleitet werden.

Die wichtigsten Gäste bleiben allerdings Sie, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, und mit Ihnen lohnen sich Begegnungen ebenfalls. Unsere Bar ist auch nach den Vorstellungen geöffnet.

Michel Bodmer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *