Hinter der Leinwand – Ein Einblick in die Arbeit des Filmpodium-Teams

Schon lange, bevor die Projektoren in der Vorführkabine zu rattern beginnen oder das DCP für die nächste Vorstellung entschlüsselt werden kann, arbeitet das Programmteam des Filmpodiums im Stadthaus Zürich mit Hochdruck am nächsten (und bereits auch am übernächsten) Filmprogramm. Die Filmwissenschaftsstudentin Valentina Romero konnte sich als Praktikantin in den letzten sechs Monaten einen Überblick darüber verschaffen, was es alles braucht, damit Sie im 6-Wochen-Rhythmus das druckfrische Filmpodium-Programmheft in den Händen halten können. Zum Abschluss ihrer Filmpodium-Zeit teilt Frau Romero ihre Eindrücke von «hinter der Kinoleinwand» mit Ihnen, liebe Blog-Leserinnen.

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Hinter der Leinwand – Ein Einblick in die Arbeit des Filmpodium-Teams

Nachdem ich neben meinem Filmwissenschaftsstudium mehrere Jahre in einem Kino gearbeitet habe, freue ich mich, mit dem Praktikum im Filmpodium einen Kinobetrieb aus einer anderen Perspektive zu erleben. Nicht nur die Perspektive ist anders, sondern auch die Betriebe könnten nicht unterschiedlicher sein: ein kommerzielles Multiplexkino auf der einen Seite, ein städtisches Programmkino auf der anderen Seite. Das Kinogebäude ist als Arbeitsort zwar gegen ein Büro im Stadthaus eingetauscht worden, dennoch scheint man hier dem Film näher zu sein: Die Regale sind über und über mit Filmbüchern, DVDs und Blu-Rays  gefüllt, an den Wänden hängen Filmpodium-Plakate, und das Gespräch dreht sich meistens um Film. Das Büro bildet das Gegenstück zum Kinogebäude des Filmpodiums, das den Gast beim Eintritt sogleich auf eine Zeitreise in die Zürcher Kinogeschichte mitnimmt. Während die Filmvorstellungen einen oftmals in die Vergangenheit der Filmgeschichte entführen, ist die Arbeit im Stadthaus eher zukunftsgerichtet. Man muss das Programm so weit vorausplanen, dass im September das Jahresende nicht mehr weit entfernt scheint und man sich in den Geschäften nicht weiter über das bereits angebotene Weihnachtssortiment wundert. Das hat natürlich alles seinen Grund, denn das Programm wird sorgfältig durchdacht und zusammengestellt. Das grobe Gerüst steht schon lange fest, doch die genaue Filmauswahl muss noch getroffen werden.

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Vorerst wird eine provisorische Filmliste erstellt, denn die Rechte- und Kopienlage kann die Filmauswahl noch verändern. Es braucht nämlich nicht bloss eine möglichst gute und vor allem verfügbare Kopie, um einen Film auf die Kinoleinwand zu bringen, sondern auch die dazugehörenden Vorführrechte müssen erhältlich (und erschwinglich) sein. Sind die Rechte und Kopien definitiv abgeklärt, geht es an die Recherche für die Programmhefttexte. Sie sollen informativ und knackig sein und Zuschauer ins Kino locken – nicht geringe Anforderungen an einen so kurzen Text. Während der Recherchen begibt man sich in die Vergangenheit, durchforscht das Internet nach verwendbaren Kritiken und auch die unzähligen alten Filmzeitschriften, Handbücher, Lexika und Monografien, die fein säuberlich in die Regale eingeordnet und beschriftet worden sind. Solche Hintergrundarbeiten gehören natürlich auch zum Arbeitsbereich eines Praktikanten. Es sind die kleinen, aber nicht minder wichtigen Dinge, die im Eifer des Gefechts oder in diesem Fall im Eifer des Redaktionsschlusses liegen bleiben. Die unzähligen Hefte, Zeitschriften und Bücher nützen nichts, wenn man sie nicht findet, weshalb sie nach einem möglichst überschaubaren System geordnet werden. Dasselbe gilt für die Pflege der Datenbank. Jedes Programm, jede Reihe, jeder Film und jede Kopie ist mit allen nötigen Informationen in der Datenbank angelegt. Die Texte fürs Programmheft werden ebenfalls hier eingetragen, sobald sie intern und von einer externen Lektorin redigiert worden sind. Anschliessend wird das Heft von der Grafikerin in die endgültige Form gebracht und das Bildmaterial eingefügt. Diese Rohfassung wird erneut vom Filmpodium-Team und einer zweiten externen Lektorin korrigiert, ehe das Gut zum Druck erteilt wird und Sie kurz darauf das fertige Programmheft in den Händen halten. Während Sie die neuen Filmreihen im Kino geniessen dürfen, sind die Vorbereitungen für die nächsten Programme bereits in vollem Gange.

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Neben diesen sich wiederholenden Prozessen, die bei jedem Programmzyklus ähnlich ablaufen, fallen auch einige andere Arbeiten an, wie zum Beispiel die Mitplanung von im Filmpodium stattfindenden Filmfestivals, aktuell dem 3rd Arab Film Festival Zurich oder dem Stummfilmfestival im Januar, die Sichtung und Untertitelung von Filmen oder einmal jährlich die Vorbereitungen für das Filmbuff-Quiz, das nicht nur für das Publikum ein Highlight bietet, sondern für das Team neben grossem Arbeitsaufwand auch viel Spass, Spielereien und Freiheiten bedeutet.

Ich hoffe, Ihnen mit diesem Blogeintrag einen kurzen Einblick in die Arbeit hinter unserem Programm verschafft zu haben, sodass Sie vielleicht Lust bekommen, auch einen neuen Blick auf das Geschehen vor und auf der Leinwand zu werfen. Unser nächstes Programm sollte sich dazu gut eignen…

Valentina Romero

2 Gedanken zu „Hinter der Leinwand – Ein Einblick in die Arbeit des Filmpodium-Teams

  1. Sehr schön, danke für den Einblick.
    Leider kommt im Text zu kurz, was mich am meisten interessiert: Woher kommen all die Filmkopien? Wie werden sie ausfindig gemacht?
    Als Mitarbeiter eines kleinen Stummfilmfestvals erlebte ich das Auffinden von Filmkopien als furchtbar mühsam und schwierig.
    Vielleicht wäre dieses Thema einen eigen Blog-Eintrag wert?

    1. Besten Dank für diesen Kommentar, Herr Scheck (und entschuldigen Sie bitte die späte Reaktion). Gerne prüfen wir einen Beitrag zu diesem Thema – und falls Sie konkrete Fragen zur Beschaffung einzelner Filmkopien haben, so lassen Sie es uns wissen; vielleicht können wir da oder dort weiterhelfen! blog@filmpodium.ch

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