Editorial: Entdeckungen ermöglichen

Arab

Vor wenigen Wochen ist das Zurich Film Festival (ZFF) zu Ende gegangen und hat in seiner 14. Ausgabe bei den Eintritten erstmals die 100000er-Marke überschritten. Von vielen als «Cüpli-Anlass» belächelt, setzt das Festival mit seinen Gala-Vorpremieren zwar nach wie vor auf Glamour, der in den Masters und Talks auch ins Filmpodium überschwappt. Im Wettbewerb und in den Nebensektionen jedoch lassen sich viele Besucherinnen und Besucher, vom Festivalfieber infiziert, auf Filme ein, von denen sie noch nie gehört haben, deren Regisseure sie nicht kennen und die sie sich im regulären Kinoprogramm kaum angesehen hätten. Das ZFF leistet damit im grossen Massstab, was auch das Filmpodium mit dem 4th Arab Film Festival beabsichtigt: dem Film ein Fest auszurichten und dem Publikum Entdeckungen und prägende Erlebnisse zu ermöglichen.

Beim Arab Film Festival ist es spezifisch die arabische Welt, deren aktuelles Filmschaffen wir den Zuschauerinnen und Zuschauern näherbringen wollen, seien dies neugierige Filminteressierte oder Menschen aus dieser Weltregion, die eine Verbindung zur Kultur ihrer Heimat aufrechterhalten möchten. Wir freuen uns nicht nur auf die Filme, sondern auch auf die zahlreichen Gäste – Schauspielerinnen und Schauspieler, Film-, Medien- und Festivalschaffende –, die in Gesprächsrunden Auskunft über und Einblick in ihre Arbeit geben werden. Diese exklusiven Festivalangebote sind nur möglich dank des Engagements des Vereins International Arab Film Festival Zurich (IAFFZ), mit dem wir bereits zum vierten Mal zusammenarbeiten. «Editorial: Entdeckungen ermöglichen» weiterlesen

Paris im Kunsthaus, Paris im Filmpodium

Das Kunsthaus Zürich zeigt noch bis zum 18. November eine Ausstellung über Robert Delaunay (1885–1941) und Paris. Delaunay, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts tätig war, beschäftigte sich immer wieder mit der Stadtszenerie von Paris und mit dem Eiffelturm als Wahrzeichen des Fortschritts.

Robert_Delaunay_-_Eiffel_Tower_(Hirschhorn_II)

Das Wirken dieses Künstlers überschneidet sich zeitlich und thematisch mit dem Schaffen des Cineasten René Clair (1898–1981), der vor allem in seinen frühen Filmen seinerseits die Seine-Stadt zur Protagonistin gemacht hat: Die (oft im Studio nachgebauten) Dachlandschaften kennzeichnen seine urbanen Märchen ebenso wie der Eiffelturm, der in seinem Erstling Paris qui dort (1924; leider infolge laufender Restaurationsarbeiten bis auf Weiteres nicht verfügbar) ein wichtiger Schauplatz ist und den Clair im kurzen Dokumentarfilm La tour (1928) porträtiert.

Letzterer wird am 13. Dezember gemeinsam mit dem dadaistischen Klassiker Entr’acte (1924) und dem fantastischen Film Le voyage imaginaire (1926) im Filmpodium aufgeführt, live musikalisch untermalt von Günter A. Buchwald und Bruno Spoerri.

Näheres zur Clair-Reihe finden Sie auf unserer Webseite.

PARIS QUI DORT
René Clair, PARIS QUI DORT, 1924

Plakat: Fellini

Elena Gabriel, Soraya Gaouaoua, Rebecca Wey (Siegerplakat)

In einer Kooperation zwischen Filmpodium und der ZHdK haben 2015 erstmals Studierende ein Plakat für eine Filmreihe entworfen. 

In unserer Plakatgalerie finden Sie eine Übersicht aller Gewinnerplakate sowie die besten Entwürfe, die es auf die Shortlist der Jury geschafft haben.

Die Aufgabenstellung zur Fellini-Reihe (Oktober 2017): Fellini gehört zu den einflussreichsten und stilbildendsten Regisseuren der Nachkriegszeit, und er ist einer der seltenen Künstler, die ein Adjektiv inspiriert haben, nämlich „fellinesk“: „Das Wort wird verwendet, wenn die Wirklichkeit aussieht, als wäre sie ganz aus Vorstellung und Pappmaché. Es meint die Magie einer Welt gewordenen Künstlichkeit, die rührend bizarren Grimassen des Lebens und insbesondere auch das ehrfurchtgebietende Schwellen einer heiligen Weiblichkeit.“ (Christoph Schneider, Tages-Anzeiger, 4.12.2015).

Die Traum-Skizzen, die hier kunstvoll mit dem Namen des grossen italienischen Regisseurs verwoben wurden, stammen von Federico Fellini selbst, der zeitlebens gezeichnet hat und seine Karriere als Journalist und Karikaturist bei verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen begonnen hat.

  • Entwurf von Filip Despotovic

Editorial: Schwarze Zahlen, schwarze Listen

Dia_Black ListWir haben es zwar schon in einem Newsletter von den Dächern gepfiffen, aber gute Nachrichten darf man auch mehr als einmal vermelden. Immer wieder war in den letzten Wochen in den Medien von der Krise des Kinos die Rede – in der Schweiz betrug der Publikumseinbruch im ersten Halbjahr 2018 gegenüber der Vorjahresperiode 18 Prozent, und Ende Juni hatte der endlose Sommer erst begonnen. Umso mehr freut uns, dass das Filmpodium mit seinem vor allem auf die Filmgeschichte ausgerichteten Programm auch in dieser schwierigen Zeit sein Publikum findet. Die Eintrittszahlen pro Vorstellung der Jahre 2016 und 2017 konnten im ersten Halbjahr 2018 gehalten werden – trotz Fussball-WM und strahlenden Badewetters. Auf besonderes Publikumsinteresse stiessen dabei das Stummfilmfestival und die Reihen zu Jeanne Moreau und Claudia Cardinale. Im Sommerprogramm setzte sich der Trend mit Maggie Smith und Ingmar Bergman fort. Auch einzelne Beiträge der Locarno-Retrospektive zu Leo McCarey fanden grossen Zuspruch.

Wir möchten unseren Stammgästen ebenso wie denjenigen, die unser Kino erst vor Kurzem entdeckt haben, ganz herzlich für ihre Treue und ihr anhaltendes Interesse an unserem Programm danken. «Editorial: Schwarze Zahlen, schwarze Listen» weiterlesen

Die 7. Ausgabe von «look&roll»

Das merken wir uns schon mal vor: Die 7. Ausgabe des internationalen Kurzfilmfestivals «look&roll» findet vom 20.-23. September 2018 im kult.kino in Basel statt.

Alle zwei Jahre präsentiert «look&roll» Beiträge aus aller Welt zum Leben mit Einschränkungen und über menschliche Vielfalt. Behinderung, Alter und das Dasein abseits des Mainstreams sind Themen von hoher Relevanz für unsere Gesellschaft.

Auch das Filmpodium der Stadt Zürich bemüht sich darum, seine Barrierefreiheit stetig zu verbessern (u.a. mit induktiver Höranlage und einem Rollstuhllift). Vom look & roll können wir noch viel lernen – und uns dabei tolle Kurzfilme anschauen. Höchst empfehlenswert!

Filmbuff-Quiz 2018: «For $64,000, I hope they ask you the meaning of life.»

Dia_Quiz_2018

Am 2. November 2018 um 20.00 Uhr testen wir im Filmpodium wieder Ihr Fachwissen beim alljährlichen, bereits traditionsreichen «Filmbuff-Quiz».

Wir laden wieder einmal Kinokenner und Filmfreundinnen ein, mental die Klingen zu kreuzen und abseits des Internets mit echtem Filmwissen zu brillieren. Wüssten Sie beispielsweise, aus welchem Film dieses Zitat stammt:  «For $64,000, I hope they ask you the meaning of life.» (Kleiner Tipp: Schauen Sie sich obiges Bild genauer an).

Für die Profis im Publikum gibt es Handicaps, damit engagierte Amateure gleiche Chancen haben, die attraktiven Preise zu gewinnen. Wie bei den TV-Vorbildern muss man beim Filmbuff-Quiz aber nicht selber mitspielen, um Spass zu haben. Man kann auch nur seine Lieblingskandidatinnen anfeuern – oder einfach die eingespielten Clips geniessen und Höhepunkte (und Peinlichkeiten) der Filmgeschichte Revue passieren lassen.

Aufgrund der grossen Nachfrage empfehlen wir allen, die einen Sitzplatz auf Nummer sicher wollen, den Vorverkauf oder die frühzeitige Reservation.

Hier auf unserem Blog können Sie schon mal üben und Ihre Kenntnisse testen. Sind Sie bereit?

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DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1988

Distant Voices, Still Lives (Terence Davies, GB 1988)
Distant Voices, Still Lives (Terence Davies, GB 1988)

Das Filmjahr 1988 wird durch zwei Werke geprägt, die entscheidend zum Boom des dokumentarischen Kinos beigetragen haben: Im monumentalen Hôtel Terminus: The Life and Times of Klaus Barbie zeichnet Marcel Ophüls nicht nur das Lebens eines NS-Kriegsverbrechers nach, sondern fragt nach den Bedingungen, unter denen eine solche Figur mächtig und nach dem Krieg als Agent für den US-Geheimdienst und die Diktatur Boliviens tätig werden konnte. Seine filmische Abrechnung hat bis heute nichts von ihrer Kraft und Relevanz verloren. Zwiespältige Menschen hat auch Errol Morris immer wieder porträtiert. In The Thin Blue Line vermischt er virtuos Interviewmaterial mit inszenierten Sequenzen. Es gelingt ihm, die Hintergründe eines Justizskandals blosszulegen und die Unschuld eines vermeintlichen Mörders zu beweisen; der Fall wird erneut aufgerollt und der zu Tode Verurteilte freigesprochen. Damit stellt Morris eindrücklich die Wirkungsmacht eines Films unter Beweis. Weniger an der dokumentarischen Richtigkeit, sondern am Prozess des Erinnerns interessiert ist der britische Ausnahmeregisseur Terence Davies, der im poetischen Distant Voices, Still Lives Bilder seiner eigenen Kindheit im Liverpool der 40er- und 50er-Jahre heraufbeschwört. «DAS ERSTE JAHRHUNDERT DES FILMS: 1988» weiterlesen

ZFF MASTERS: gratis Podcasts online!

ZFF MASTERS sind moderierte Gespräche mit bekannten Persönlichkeiten (Regisseure, Drehbuchautoren, Produzenten und Schauspielern) aus der internationalen Filmbranche. Das Publikum erhält dabei einen spannenden Einblick in ihr kreatives Schaffen und ihre Haltung als Filmschaffende. Die renommierten Experten werden dabei dem interessierten Publikum Rede und Antwort stehen. Die ZFF MASTERS sind öffentlich zugänglich und richten sich an die Filmbranche sowie an das gesamte Festivalpublikum.

Eine Auswahl der vergangenen ZFF MASTERS sind nun als Podcast auf Spotify und iTunes erhältlich.

Darunter: Daniel Radcliffe, Woody Harrelson, Hans Zimmer, Susanne Bier, Glenn Close, Arnold Schwarzenegger, Michael Haneke, Todd Haynes und Miloš Forman (von dem wir einige Klassiker in unserem Oktober/November-Programm wieder auf die grosse Leinwand bringen werden).

Wir empfehlen allen Filmfans, sich diese spannenden Gespräche anzuhören und sich gedanklich in unser schönes Kino zu beamen, denn: «The podcast you are about to hear is a live recording of a ZFF Masters session at the Filmpodium, one of the most beautiful and unique cinemas in Zurich.»

Wir sind schon gespannt, wen das ZFF für seine 14. Ausgabe vom 27. September bis 7. Oktober 2018 nach Zürich – und natürlich auch wieder ins Filmpodium – holen wird!

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The Best of Leo McCarey

Leo McCarey
Leo McCarey

In der Retrospektive am Locarno Festival war so ziemlich jedes Film-Fitzelchen zu sehen, das Leo McCarey im Laufe seiner langen und erfolgreichen Karriere geschrieben, gedreht oder produziert hat. Ich habe mir dort einiges angeschaut, das ich noch nicht kannte und das wir für unsere eigene Reihe auch nicht ausgewählt haben.

Mein Fazit: Von Charley Chase zeigen wir zu wenig; die Filme dieses Stummfilmkomikers sind fast ausnahmslos toll und wir widmen ihm nur einen Abend mit vier Filmen, am 14. September, immerhin mit Neil Brand am Piano. Irgendwann liefern wir hiervon noch mehr nach.

Dia_McCarey_Neil Brand Live

Bei den Langfilmen sieht es anders aus; da können wir getrost sagen, dass das Filmpodium die besten Werke zeigt, wenn auch nicht alle immer in optimaler Qualität (was freilich auch Locarno nicht gelungen ist). Die einzige Ausnahme ist und bleibt McCareys großes Melodram Love Affair (1939), das wir mit etwas Glück im kommenden Jahr nachreichen werden.

Lassen Sie sich also auf die Achterbahn ein, die bis zum 23. September von einem komischen Höhepunkt zum andern flitzt und dazwischen durch Tränentäler wie Make Way for Tomorrow und An Affair to Remember führt.

Ein ausführliches, zwar etwas älteres Portrait des Regisseurs (auf Englisch) können Sie im Onlinemagazin Senses of Cinema nachlesen. Carlo Chatrian hat zudem für den Streamingdienst MUBI seine Gedanken zu «The Genius of Leo McCarey» niedergeschrieben.

Plakat: Maggie Smith

Das Gewinnerplakat von Filip Despotovic

In einer Kooperation zwischen Filmpodium und der ZHdK haben 2015 erstmals Studierende ein Plakat für eine Filmreihe entworfen. 

In unserer Plakatgalerie finden Sie eine Übersicht aller Gewinnerplakate sowie die besten Entwürfe, die es auf die Shortlist der Jury geschafft haben.

Maggie Smith, 1934 geboren, ist vielen heutigen Kino- und FernsehzuschauerInnen vor allem aus den letzten zwei Jahrzehnten bekannt, weil sie in den Harry Potter-Filmen die strenge, aber letztlich gütige Lehrerin Minerva McGonagall verkörperte und in der Serie Downton Abbey als spitzzüngige alte Gräfin Violet die besten Sprüche klopfte. Smith war aber bereits eine gefeierte Theaterschauspielerin, als sie 1958 im Krimi Nowhere to Go eine Nebenrolle spielte und dafür gleich eine BAFTA-Nominierung errang. In der Folge spielte sie Britinnen jeder Couleur, von der Aristokratin über die Lebedame bis zur frommen Jungfer und der Pennerin. Die Filmreihe des Filmpodiums zollt Smiths über Jahrzehnte hinweg bewiesener Vielseitigkeit Tribut, und das dazugehörige Plakat sollte ihr als «Grand Old Lady of British Cinema» (Juli 2018) gerecht werden. 

  • Entwurf von Samira Schneuwly und Dagna Salwa