Zur Erinnerung an Martin Landau

Vor etwas mehr als einem Jahr zeigte das Filmpodium einen der letzten Filme des eben verstorbenen Martin Landau: In Atom Egoyans Remember spielte er einen greisen Juden, der seinen dementen Altersheim-Mitinsassen (Christopher Plummer) zu einem komplexen Rachefeldzug gegen einen Nazi anstiftet. 1996 hatte ich das Privileg, über eine Stunde lang mit Landau zu sprechen, anlässlich des Kinostarts von Steve Barrons The Adventures of Pinocchio. Hier der NZZ-Artikel, der aus der wunderbaren Unterhaltung mit diesem unterschätzten Ausnahmeschauspieler hervorging:

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Die Debatte um die Debatte zum Schweizer Film

Auf – leider – kleinem Feuer geht die Diskussion um den Schweizer Film weiter; Florian Keller hat in der WoZ eine recht sarkastische Kürzestwürdigung des «Frame»-Artikels abgegeben, der Rest findet vornehmlich auf Facebook statt, vor allem auf der persönlichen Seite von Christian Jungen, die ja kaum als breit rezipierte öffentliche Plattform gelten darf – schade. Drum nochmals ein paar Nachgedanken an dieser Stelle. “Die Debatte um die Debatte zum Schweizer Film” weiterlesen

Wer macht den Schweizer Film wieder gross und wie?

In der jüngsten Ausgabe des Filmmagazins «Frame» haben Christian Jungen und Denise Bucher eine Kampagne unter dem Titel «Macht den Schweizer Film wieder gross!» lanciert. Die selbstironische Anspielung auf Trump tröstet leider nicht darüber hinweg, dass trotz mancher korrekter Diagnosen einiges in ihrem Artikel ähnlich polemisch, populistisch und unausgegoren anmutet wie die Twitter-Ergüsse des Donald. Es ist Jungen und Bucher anzurechnen, dass sie aus ernster Besorgnis um den Status quo des Schweizer Films eine Diskussion angestoßen haben; diese muss nun aber in der Breite und von allen Playern weitergeführt werden – gerne auch auf diesem Podium. “Wer macht den Schweizer Film wieder gross und wie?” weiterlesen

Bond ohne Bond

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1993, kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, der sein bisheriges Werk genährt und geprägt hatte, veröffentlichte John Le Carré The Night Manager, einen Roman, der bewies, dass ihm nach dem Mauerfall keineswegs der Stoff ausgehen würde. Als Bösewicht fungierte diesmal nicht ein KGB-Scherge oder ein von den Sowjets gedungener britischer Spion, sondern ein Brite namens Roper, der skrupellos im illegalen Waffenhandel mitmischte. Sein Gegenspieler war ein Landsmann namens Jonathan Pine – kein Agent ihrer Majestät, aber doch ein strammer Kerl mit militärischer Vergangenheit und einem starken moralischen Rückgrat. “Bond ohne Bond” weiterlesen

Jason Mekas vs. Jonas Bourne und meine Grossmutter

Jonas-Mekas

Meine Grossmutter Frieda Henggeler-Scherer drehte in den 20er und 30er Jahren 16-mm-Filme. Da sie in Fernost lebte und später auch Anlässe wie die Landesausstellung und die Olympischen Spiele in St. Moritz besuchte usw., ist das Material von einigem Interesse. Formal allerdings ist es nichts Besonderes. Da sie “point-and-shoot”-mässig drehte und viele Einstellungen blosse Sekundenbruchteile umfassen, sprachen wir, als wir das digitalisierte Material sichteten, daher despektierlich von einem “animierten Fotoalbum”, ohne zu ahnen, dass unsere Grossmutter eigentlich Avantgardistin gewesen war.

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Was ist Film? Was ist Kritik?

Das Programm des Filmpodiums wirkt überwiegend konservativ, da es zur Hauptsache auf die Filmgeschichte zurückblickt und daraus unvergängliche Klassiker und sehenswerte Entdeckungen auswählt und ins Programm setzt. Darüber hinaus zeigt es allerdings immer wieder auch Premieren von neuen, oft wegweisenden Filmen, die den Weg in den regulären Kinoverleih nicht gefunden haben.  “Was ist Film? Was ist Kritik?” weiterlesen

Für den Miyazaki-Fan, der schon alles hat

Letzten Sommer zeigte das Filmpodium alle Langfilme, die der Anime-Meister Hayao Miyazaki als Regisseur und/oder Drehbuchautor geschaffen hat; im Oktober folgte der Dokumentarfilm The Kingdom of Dreams and Madness über Miyazaki und das Studio Ghibli. Wer das toll fand, wünschte sich flugs zu Weihnachten das komplette Blu-ray-Set sowie ein paar Stofftiere aus Mein Freund Totoro und war vorerst zufrieden.

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Wer filmt schon gerne unter De Palma?

OK, zugegeben, ich bin nicht der grösste Fan von Brian De Palma. Sicher, der Mann hat – vor allem visuell – beeindruckende Filme geschaffen, aber zu viele sind blosse Hitchcock-Pastiches, die den Sadismus-Faktor und den Gewalt-Quotienten des Vorbilds hochgeschraubt und zugleich dessen Originalität und Raffinement reduziert haben. Auch De Palmas bisher letzter Streich, Passion (2012), ein lesbisch aufgemotztes Remake von Alain Corneaus Stutenbissigkeitsdrama Crime d’amour (2010), vermochte nicht zu überzeugen.

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